Veranstaltung: abortion democracy (Film + Diskussion)

Dienstag 12.01.2010, 19:00 Uhr, cinema münster, warendorfer straße 45-47

Sarah Diehls Dokumentarfilm vergleicht die politischen, legislativen und gesellschaftlichen Entwicklungen bzgl. des Schwangerschaftsabbruchs in Polen und Südafrika.

Der Vergleich eignet sich deshalb, da sich die Gesetzessprechung in den 90ern gegenläufig entwickelte: 1993 kriminalisierte Polen durch die politische Einflussnahme der Kirche Abtreibungen, Südafrika liberalisierte hingegen 1997 den Schwangerschaftsabbruch durch eine Gesundheitsreform nach der Apartheid. Gleichzeitig ergibt sich durch den Einfluss des Gesundheitspersonals aber das Paradox, dass in Polen illegale Abtreibungen oft einfacher zugänglich sind als in Südafrika legale Abtreibungen. Der Film stellt beide Entwicklungen gegenüber und
stellt die Politisierung des Schwangerschaftsabbruchs in den Kontext von Ökonomie, gesellschaftlichen Moralvorstellungen, sozialen Zwängen und
der Durchsetzung von Bürgerrechten. Der Film gibt viele Denkanstöße für ein Thema, dessen Tabuisierung immer noch im Weg für die Anerkennung der Lebensrealität von Frauen steht und dessen Ignorierung dazu führt, dass laut WHO jedes Jahr um die 68.000 Frauen an einer unsicheren Abtreibung sterben.

Eine Veranstaltung des AStA der Uni Münster
Dienstag 12.01.2010, 19:00 Uhr, cinema münster, warendorfer straße 45-47

18.12., 19 Uhr, Baracke: Soliversteigerung

Plakat

Mit Rott (Liedermacher) & anschließender Soliküche

Das Prinzip ist denkbar einfach: ihr bringt uns um 18 Uhr euren noch nutzbaren Kram den ihr selbst nicht mehr benötigt und wir versteigern ihn für euch. Wenn ihr noch Geld für eure Sachen wollt, dann wird dieser Preis als Mindestgebot angesetzt. Ansonsten gibt es kein Mindestgebot. Werden eure Sachen versteigert, dann bekommt ihr euren Wunschpreis und alle Gebote hierüber hinaus gehen in die Solikasse. So gewinnen alle Beteiligten: ihr habt eure Wohnung endlich mal wieder aufgeräumt, wir haben alle zusammen einen netten Abend und die Aktivist_ innen bleiben nicht alle auf den Repressionskosten sitzen.

Offener Brief ans Bistum Münster

Warum gestattet das Bistum Münster einer Organisation mit rechtsextremen Tönen die Nutzung der Aegidiikirche? – Offener Brief an Herrn Dr. Genn, Bischof von Münster, mit einer Kopie des Briefes an die regionale und überregionale Presse und an kirchliche und soziale Einrichtungen

Sehr geehrter Herr Dr. Genn,

am 14. März 2009 fand in Münster ein 1000 Kreuze Marsch statt. Dabei wurde die Aegidiikirche den ProzessionsteilnehmerInnen zur Verfügung gestellt. Zu diesem Marsch hatte die Organisation Euro-Pro-Life aufgerufen, die wiederholt durch Relativierungen der Shoah und rassistisch-nationalistische Töne aufgefallen ist. Inhalt dieses Prozessionszuges war vordergründig die Bekundung von Trauer angesichts der „Tötung von ungeborenen Leben“. So symbolisiert jedes Kreuz des 1000-Kreuze-Marsches vordergründig die „Trauer“ um einen Fötus und stigmatisiert doch gleichzeitig die Frau, die einen Schwangerschaftsabbruch durchgeführt hat, zu einer „Mörderin“. Die Beschuldigungen seitens der christlichen Fundamentalist_innen gehen dabei so weit, Frauen, die sich zu einem Abbruch entscheiden, mit den SS-Wachmannschaften in Vernichtungslagern zu vergleichen. Im Zuge des 1000-Kreuze-Marsches in Münster eröffnete eine der Teilnehmerinnen, sie sei der Meinung, dass die derzeit durchgeführten Abbrüche „schlimmer“ seien als die Vernichtung des europäischen Judentums (nachzuhören auf www.gloria.tv).

In der Vergangenheit sind die Organisation und ihr nahe stehende Personen immer wieder durch derartige Relativierungen der Shoah aufgefallen. So äußerte der Augsburger Bischof Walter Mixa sich folgendermaßen: „Es hat diesen Holocaust sicher in diesem Umfang mit sechs Millionen Getöteten gegeben. Wir haben diese Zahl durch Abtreibungen aber bereits überschritten.“ Zusätzlich zu den sekundär antisemitischen Äußerungen fällt die Organisation durch nationalistisch-rassistische Töne auf. So ist für die Organisation eines der Hauptargumente gegen Schwangerschaftsabbrüche der angebliche Umstand, dass Europa […] mit seiner sehr niedrigen Geburtenrate ein sterbender Kontinent“ sei. Diese Äußerung erinnert an neonazistische Töne von einer vermeintlichen „Überfremdung“ Europas, die es aufzuhalten gelte – im Fall der „Lebensschützer“ durch eine Reduktion von „europäischen“ Frauen auf ihre Reproduktionsfähigkeit unter Negation ihrer Selbstbestimmungsrechte. Aus den Gründen des sekundären antisemitischen und des rassistisch-nationalistischen Charakters der Organisation und den vielfältigen Überschneidungen zum offen neonazistischen Spektrum hat sich in diesem Jahr die Erzdiözese München und Freising von dem 1000 Kreuze Marsch und Euro Pro-Life distanziert und dieser Organisation die Nutzung kirchlicher Räume untersagt. Der diesjährige 1000-Kreuze-Marsch am 24. Oktober in München musste daher, anders als geplant, ohne Messfeier beginnen, und konnte auch nicht in, sondern lediglich auf dem Platz vor der St.-Pauls-Kirche starten. Wir bitten Sie nun daher um eine Stellungnahme bezüglich der Frage, warum ein ähnliches Vorgehen in Münster nicht gegeben war. Warum hat die Diözese Münster einer sekundär antisemitischen und rassistisch-nationalistischen Organisation mit vielfältigen Überschneidungen zum neonazistischen Spektrum die Nutzung kirchlicher Räume erlaubt? Warum blieb eine Distanzierung seitens des Bistums Münster aus?

Mit freundlichen Grüßen,
Antirepressionsgruppe 14. März

Münster, den 27.11.2009

Flyer veröffentlicht

Wir haben einen Flyer zu unserer Kritik an Euro-Pro-Life und dem 1000-Kreuze-Marsch veröffentlicht. Er kann unter dem Reiter „Materialien“ in zwei PDF-Dateien heruntergeladen und vervielfältigt werden.

Protest gegen christliche Fundamentalisten hat ein Nachspiel

In den letzten Wochen erhielten knapp 110 Personen eine Mitteilung, dass ein Ermittlungsverfahren wegen vermeintlicher Versammlungssprengung gegen sie eingeleitet wurde. Hintergrund dieser Verfahren ist eine christlich-fundamentalistische Demonstration in Münster am 14. März unter dem Titel „Helfer für Gottes kostbare Kinder“. Inhaltlich richtete sich die Demonstration gegen das Selbstbestimmungsrecht von Frauen und damit für die Aufrechterhaltung einer patriarchalen Gesellschaftsordnung. Diese Position sollte nicht unwidersprochen im
öffentlichem Raum stehen bleiben, deshalb entschlossen sich ungefähr 200 Personen die fundamentalistische und frauenverachtende Demonstration kritisch zu begleiten.
Ein nicht gerechtfertigtes Einschreiten der Polizei gegen die öffentliche Bekundung von Kritik an der Demonstration führte zu Gewahrsamnahmen und Personalienfeststellungen. Gegen diese Personen wird nun u.a. wegen vermeintlicher Versammlungssprengung ermittelt.
Am vergangenen Wochenende trafen sich ein Großteil der Betroffenen um ihr weiteres Vorgehen im Zusammenhang mit dem Ermittlungsverfahren zu besprechen. Die Betroffene Katja Fron empfindet den Vorwurf als einen Skandal: „In der Streitfrage um Schwangerschaftsabbrüche manifestiert sich auf besonders deutliche Weise das männerdominierte Gesellschaftssystem in dem wir leben. Dieses versucht immer noch Frauen ihr Selbstbestimmungsrecht abzusprechen und sie in die gewünschten “frauentypischen” Rollen zu drängen.“ Deshalb sehen die Betroffenen es als notwendig an gegen die selbsternannten „Lebensschützer“ klar Position zu beziehen.
Große Einigkeit bestand in dem Punkt, dass die erhobenen Vorwürfe nicht haltbar sind und infolge eine Verurteilung nicht akzeptiert wird. Peter Sole, ebenfalls Betroffener des Ermittlungsverfahrens, begründet diese Einigkeit: „Die Zurückweisung des frauenverachtenden Weltbildes der christlichen Fundamentalisten stellt eine politische Notwendigkeit dar. Eine Strafverfolgung ist im Rahmen dieser gesellschaftlichen Auseinandersetzung völlig fehl am Platz. Eine Verurteilung unseres
Engagements werden wir nicht hinnehmen.“
Die Betroffenen und ihre Unterstützer verabredeten sich für weitere Treffen um die politische Dimension des Verfahrens zu betonen und weitere Aktivitäten für ein uneingeschränktes Selbstbestimmungsrecht für alle zu planen.
Die Unterstützerin Maike Klutz fasste die Position zu dem Ermittlungen wie folgt zusammen: „Nur die vollständige Einstellung aller Verfahren ist für uns akzeptabel.
Wir weisen jeglichen Kriminalisierungsversuch politisch notwendiger Einmischung entschieden zurück.“

Quelle: Schwarz-Rote-Hilfe Münster vom 13.10.2009

Fundamentalistischer Aufmarsch blockiert

Ein erster Bericht des heutigen Tages

Der für heute, 14. März, in Münster (Westf.) geplante Kreuzzug christlich-fundamentalistischer Abtreibungsgegner_innen konnte für 2 Stunden blockiert werden. Ein antisexistisches Bündnis hatte zu kreativen Gegenprotesten geladen.

Es lief von Anfang an nicht segensreich für die selbsternannten “Lebensschützer” aus Münster und anderen Teilen der Republik, mobilisiert durch die christlich-fundamentalistische Organisation “Euro Pro Life”. Hatte die lokale Presse beim letztjährigen Kreuzzug noch 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer gezählt, waren es in diesem Jahr vielleicht 200.

Verhagelte Rosenkränze

Der religiöse Wahn auf Beinen traf sich um 14.00 Uhr in der Münsteraner Aegidii-Kirche zum besinnlichen Auftaktgottesdienst und zur Durchführung eines “schmerzhaften Rosenkranzes”. Doch mit der Besinnlichkeit war es spätestens um 14.30 Uhr vorbei, als partywütige Personen die bis dato reichlich zugeknöpfte Veranstaltung mit Konfetti, Kondomen und Aufklärungsflyern auflockerten.

Doch auch der lustigste Gottesdienst hat irgendwann ein Ende. Gegen 15.00 Uhr wurde sich vor der Kirche formiert, um die Kamerad_innen auf dem eigentlichen Auftaktort des Kreuzzuges, dem Domplatz, abzuholen. Die Christ_innenschar kam keinen Meter weit – eine Blockade durchkreuzte bereits hier ihren Zug. Ca. 100 Personen stellten sich den Fundamentalist_innen in den Weg – etwa die gleiche Anzahl stand um die vom Donner gerührten Kreuzträger_innen herum und informierten: “Eure Kinder werden so wie wir, eure Kinder werden alle queer!”. Die Polizei war zwar inzwischen anwesend, aber völlig überfordert und musste zwei Stunden lang auf Verstärkung von ausserhalb warten. In der Zwischenzeit stimmten die homosexualitätsfeindlichen Kreuzanbeter_innen das ein oder andere “Ave Maria” an und schwadronierten in frauenfeindlichen Tönen wie: “Wenn eine Frau vergewaltigt wurde, dann hatte sie wahrscheinlich keinen richtigen Draht zu Gott.”

Satanischer Kondomregen

Erst dann kamen die himmlischen Heerscharen in Erzengelgrün und sorgten für Recht und Rettung, indem sie die satanische Blockade kesselten, zur Seite schoben und bis ca. 20.00 Uhr festhielten. Erst jetzt konnte sich der Kreuzzug in Bewegung setzen – doch auch jetzt alles andere als ungestört. Die Spitze übernahmen ein antisexistisches Transpi und “My body – My choice”-Schilder. Andere Gegendemonstrant_innen mischten sich kreativ unter den Zug, warfen auch hier mit Kondomen und Konfetti oder begleiteten ihn lautstark von der Seite mit Parolen wie “Kein Gott, kein Staat, kein Vaterland – Abtreibung in Frauenhand!” Die Recht(s)gläubigen waren reichlich schockiert, als Protestierende ihnen verkündeten, sie würden noch alle in der Hölle braten.

Vernageltes Weltbild

Die in diversen Städten veranstalteten Gebetszüge “1000 Kreuze für das Leben” werden organisiert von verschiedenen christlich-fundamentalistischen Organisationen, die sich unter dem begrifflichen Dach des “Lebensschutzes” vernetzen.
Selbsternannte “Lebensschützer” zählen zum extrem rechten Flügel innerhalb der christlichen Kirchen. Hinter der Maske “lebensbewahrender” Friedfertigkeit verbirgt sich ein reaktionäres Weltbild, welches sich grob mit den Schlagworten Frauenfeindlichkeit, Homosexualitätsfeindlichkeit, völkisches Denken, Shoarelativierung kritisch umreissen lässt.

So zeigen beispielsweise die aktuellen Debatten um die Rehabilitierung der erzreaktionären Piusbruderschaft durch einen erzreaktionären Papst oder die Exkommunikation der Mutter eines neunjährigen Mädchens, das nach einer Vergewaltigung abgetrieben hatte (vgl. http://www.heise.de/tp/r4/artikel/29/29872/1.html), das Spektrum auf, in dem sich auch der christliche angebliche “Lebensschutz” bewegt.

Nur einige wenige Beispiele von vielen:
Immer wieder wird in diesen Kreisen beispielsweise Abtreibung als “Babycaust” mit der Shoa gleichgesetzt.
Gemeinsam ist den AbtreibungsgegnerInnen vor allem ihr reaktionäres Frauenbild: die Frau als Hausfrau und Mutter (möglichst vieler Kinder), die hierin ihr biologisches Schicksal erfüllt und ihre persönliche Erfüllung findet.
Nicht nur ideologisch bestehen Schnittstellen zum organisierten neonazistischen Spektrum – regelmäßig nehmen Neonazis an derartigen christlich-fundamentalistischen Kreuzzügen teil. So reihten sich im Herbst letzten Jahres in München bei einen vergleichbaren “Lebensschützer”-Aufmarsch wie in Münster dutzende Faschist_innen ein (vgl. http://asabm.blogsport.de/2008/10/05/chaos-marsch-der-lebensschuetzer/). Auch heute nahmen bekannte Neonazis aus Münster an dem unheimlichen Zug teil.
Homosexualität wird in christlich-fundamentalistischen Kreisen allgemein als “Krankheit” oder “Strafe Gottes” angesehen – dementsprechend ist für homosexuelle Menschen in ihrem Denken kein Platz. In München wurde beispielsweise ein küssendes homosexuelles Pärchen mit einem grossen Holzportrait der “Jungfrau Maria” tätlich angegriffen (Link s.o.).

Fazit:
Nachdem die extrem rechten Abtreibungsgegner_innen im letzten Jahr ungestört durch Münsters Straßen ziehen konnten, um ihre shoarelativierenden, frauen- und homosexualitätsfeindlichen Einstellungen unter dem Deckmantel des “Lebensschutzes” zu verbreiten, stießen sie in diesem Jahr auf vielfältigen Widerstand. Ein voller Erfolg für das antisexistische und feministische Bündnis, dem es gelang, mit einer relativ kurzen Mobilisierungszeit von ca. drei Wochen einen bunten und kreativen Protest zu organisieren. Zudem gelang es, den Sinn des Protestes durch eine Vielzahl von Flyern auch Passant_innen zu vermitteln. Trotzdem Münster als eine erzkatholische Hochburg gelten muss, bekamen die Protestierenden viele viele positive Rückmeldungen auf ihre Aktionen.
Ein riesiges Dankeschön an alle, die dabei waren und geholfen haben!

Quelle: Emanzipatorische Aktion Münster vom 14.03.2009