Flop für „1000 Kreuze“ – Erfolgreiche Gegendemonstration für das Selbstbestimmungsrecht der Frau

Am Samstag, den 13. März versammelten sich rund 200 Demonstrant_innen für das uneingeschränkte Selbstbestimmungsrecht der Frau am Rathaus und auf dem Domplatz. Anlass war ein angekündigter „1000 Kreuze Marsch“ der evangelikalen Organisation „EuroProLife“, die mehrmals im Jahr derartige Märsche „gegen Abtreibung“ in verschiedenen Städten Deutschlands durchführt. Den Gegendemonstrant_innen gelang es, den christlich-fundamentalistischen Marsch über die gesamte Strecke kritisch und vielfältig kreativ in einem Ausmaß zu begleiten, dass von den selbst ernannnten nur knapp 100 „Lebensschützer_innen“ stellenweise kaum noch etwas zu sehen und zu hören war. Mit ausschlaggebend hierfür war auch, dass sich die Anzahl der marschierenden „Lebensschützer_innen“ im Vergleich zum letzten Jahr halbiert hatte.

Vielfältiger Protest
am Roggenmarkt

Bereits im Vorfeld hatte sich das Bistum von den Evangelikalen distanziert und sie am äußeren Rand der Kirche verortet. Am Samstag begannen die Gegenproteste um 14 Uhr mit einer Kundgebung für das uneingeschränkte Selbstbestimmungsrecht über den eigenen Körper. Auf dieser informierte ein breites Bündnis aus feministischen und anderen zivilgesellschaftlichen Gruppen über die reaktionären Positionen der Abtreibungsgegner_innen. Um die 60 Menschen versammelten sich schon dort um gegen christlichen Fundamentalismus und für das Recht auf Abtreibung zu protestieren.

Als sich die Anhänger_innen der christlich-fundamentalistischen Organisation „EuroProLife“ um 15:30 Uhr am Dom versammelten, wurden sie direkt von Gegendemonstrant_innen umgeben, die Transparente, wie „Don‘t Pray – Go Gay!“ und „Mein Körper gehört mir!“, hochhielten. Gleichgeschlechtliche Paare mischten sich küssend unter die Kreuzzügler_innen und zeigten somit ihr Missfallen über die in derartigen Organisationen vorhandene ausgesprochene Homosexuellenfeindlichkeit. Wie im letzten Jahr flogen Konfetti und Kondome durch die Luft, um ein Zeichen zu setzen für Lebensfreude und eine bunte Vielfalt menschlicher Lebensentwürfe. Die „Lebensschützer_innen“ setzten sich gegen 16 Uhr in Bewegung, woraufhin die Gegendemonstrant_innen sie die gesamte restliche Strecke begleiteten. Sie klärten Passant_innen mit kritischen Sprechchören und Flugblättern über den fundamentalistischen Hintergrund des Marsches auf. „Den Anhänger_innen des ‚1000 Kreuze Marsches‘ geht nur sehr einseitig um das Thema ‚Lebensschutz‘“, so Christel Block, Sprecherin des Bündnisses: „Ein gutes Beispiel hierfür ist, dass sie während ihres Marsches kein einziges Mal die aktuellen Missbrauchsskandale in der Kirche thematisiert haben.“

Ein weiteres Beispiel seien so genannte „Gehsteigberatungen“ auch vor Münsteraner Kliniken, in denen Frauen Schwangerschaftsabbrüche vornehmen lassen können: Wer abtreibt sei für „Lebensschützer_innen“ von Gott abgefallen. So würden schwangere Frauen erheblichem moralischen Druck ausgesetzt. Block: „Dass diese Beratungen Frauen zu illegalen Abtreibungen unter lebensgefährlichen Bedingungen nötigen können, scheint für die ‚Lebensschützer_innen‘ kein Thema zu sein.“

Christlicher Fundamentalismus – rückwärtsgewandte Ideologie

Christlicher Fundamentalismus richtet sich im Allgemeinen gegen jeglichen Gebrauch von Verhütungsmitteln, Sex vor der christlichen Ehe, Homosexualität und somit gegen eine selbstbestimmte Sexualität. Damit richtet er sich gegen erkämpfte Fortschritte der letzten 100 Jahre in den Bereichen Gleichberechtigung und Selbstbestimmung. Außerdem verbreitet sind Argumentationsstränge, die ein totales Abtreibungsverbot fordern um die Geburtenrate in Europa und speziell in Deutschland zu erhöhen und damit ein vermeintliches europäisches Volk zu erhalten.
Dazu mischt sich eine Islamfeindlichkeit, die ganz im NPD-Jargon Deutschland „überfremdet“ sieht. Diese Ideologie führt dazu, dass bekannte Neonazis in Münster, wie auch in München, zum wiederholten Mal an dem Marsch teilgenommen haben.

„Auf Grund des Sexismus, Rassismus und der Homosexuellenfeindichkeit, werden die ‚Lebensschützer_innen‘ auch in den nächsten Jahren keinen ungestörten Kreuzzug durchführen können,“ so Christel Block abschließend.