Prozesserklärung 29.04.

Wir dokumentieren an dieser Stelle die heute im Gericht verlesene Prozesserklärung eines Angeklagten:

Ich erkläre hiermit, dass ich am 14. März 2009 gegen die christlich fundamentalistischen Abtreibungsgegner_innen meine politische Meinung öffentlich und in unmissverständlicher Form geäußert habe.
 
Ich bereue diese Handlung in keinster Weise und werde mich daher auch nicht davon distanzieren oder dafür entschuldigen. Im Gegenteil – ich finde es auch im Nachhinein richtig. Aufgrund der Positionen, die die Abtreibungsgegner_innen vertreten, halte ich es für notwendig, diese nicht unwidersprochen zu lassen.

 
Die christlichen Fundamentalist_innen, die unter dem Motto „1000 Kreuze für das ungeborene Leben“ regelmäßig in mehreren Städten demonstrieren, sind gegen Schwangerschaftsabbrüche und fordern gesetzliche Verschärfungen. Sie stellen sich damit gegen das Selbstbestimmungsrecht von Frauen. Zudem diffamieren sie Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen, als Mörderin. Bei sogenannten Gehwegberatungen vor Kliniken, in denen Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt werden, üben sie massiven psychischen Druck auf die betroffene Frauen aus. Dies geschieht auch in Münster.
 
Die christlichen Fundamentalist_innen vergleichen Schwangerschaftsabbrüche nicht nur mit Mord, sondern sogar mit Euthanasie und dem Holocaust. Ein vielfach von ihnen verwendeter Begriff ist ‚Babycaust‘. Mit diesen Vergleichen relativieren sie den Holocaust.
 
Mit ihren Positionen und Vergleichen stehen die christlichen Fundamentalist_innen der rechtsextremen Szene nahe. Bei vielen 1000 Kreuze Demonstrationen schließen sich Nazis den Aufrufen an und laufen mit. Eine Distanzierung geschieht nicht oder nur auf massiven öffentlichen Druck. In Münster haben sich sowohl am 14. März 2009 wie am 13.März 2010 bekannte Personen der rechten Szene beteiligt.
 
Selbst die katholische Kirche in Münster hat sich von den Abtreibungsgegner_innen des 1000 Kreuze Marsches distanziert. Diesen Jahr wurde ihnen keine Kirche mehr für einen Gottesdienst zur Verfügung gestellt.
 
Angesichts der menschenverachtenden Inhalte, die die christlichen Fundamentalist_innen propagieren, halte ich es für richtig und notwendig, sie mit emanzipativen Gegenpositionen zu konfrontieren.