Die Aktivitäten der evangelikalen Bewegung innerhalb der BRD

Text der Gruppe gr*i*p

gr*i*p (group in progress) ist eine Veranstaltungsgruppe mit queer-feministischem Anspruch. Wir sind weiblich sozialisierte Personen, die sich zusammen getan haben, um in Hamburg kulturelle und politische Veranstaltungen zu organisieren. Damit möchten wir der geschlechtsspezifischen Rollenverteilung und dem Heterosexismus innerhalb und außerhalb der linken Subkultur emanzipatorische Theorie und Praxis entgegensetzen. In progress meint, dass wir uns weiterentwickeln wollen, indem wir auch unsere eigenen Inhalte reflektieren.
http://www.myspace.com/gr.i.p

Einleitung
Der folgende Text basiert auf der ersten Veranstaltung von gr*i*p, die im Januar 2010 in der roten Flora unter dem Motto „Post-Anti-Weihnachtsabend“ stattfand. Sich kritisch allgemein mit Religion auseinanderzusetzen ist nicht Gegenstand dieses Textes, aber durchaus notwendig, um das reaktionäre, häufig antiemanzipatorische Potential von Religion insgesamt sichtbar zu machen und sich dem kritisch entgegenzustellen. Hier soll es jedoch darum gehen, aufzudecken an welchen Stellen Christ_innen aktiv Politik machen und so gesellschaftlich Einfluss nehmen. Im Fokus stehen die Aktivitäten der evangelikalen Bewegung innerhalb Deutschlands.
Bezüglich unserer Recherche ist zu sagen, dass wir uns vor allem auf Informationen aus dem Internet beziehen, weniger auf wissenschaftliche Publikationen.

Evangelikale Christen – Fundamentalistische Gutmenschen?
Die Evangelikalen sind eine sehr heterogene, an Einfluss gewinnende, christliche Strömung, die unabhängig von den Landeskirchen aktiv sind. In Deutschland folgte auf Modernisierungstendenzen in der evangelischen Kirche (z.B. die Frauenordination) die Abspaltung der Hardliner_innen von den Landeskirchen (EKD), die sich evangelikalen Gemeinden und Organisationen anschlossen, bzw. selbst welche gründeten. Gemeinsame Basis der Evangelikalen ist die wortgetreue Auslegung der Bibel. Sie wird nicht nur in Fragen des Glaubens, sondern auch in Bezug auf die Lebensführung als „irrtumsfrei“ angesehen, was ihnen das Label fundamentalistisch einbrachte. Die Hardliner_innen unter den Evangelikalen halten die Bibel auch für historisch korrekt. Sie nennen sich Kreationist_innen und sehen die Schöpfungslehre als unhinterfragbare Wahrheit an, glauben also, Gott hätte die Welt in 6 Tagen erschaffen und versuchen dies (pseudo-)wissenschaftlich zu belegen.1
Allen Evangelikalen gemeinsam ist die zentrale Bedeutung der Mission. Es ist die Aufgabe jede_r Christ_in „Zeugnis abzulegen“ und „die frohe Botschaft“ zu verbreiten, um möglichst viele Seelen vor der Hölle zu retten.
Außerdem zeichnet sie ein starkes machtpolitisches Streben nach mehr gesellschaftlichem Einfluss aus, letztlich mit dem Ziel, den säkularen Staat durch einen christlichen Gottesstaat zu ersetzen.

Die zentrale Organisationsstruktur der Evangelikalen ist die Deutsche Evangelische Allianz (DEA, ein Zweig der Internationalen Evangelischen Allianz von 1846), die die gemeinsame ideologische, bzw. „theologische Basis“ formuliert. Ca. 1,3 Mio. Personen bekennen sich in Deutschland derzeit zu ihr. Auf Grundlage dieser theologischen Basis betreiben Evangelikale aktiv Politik.2
Zusammenfassend beinhaltet diese den bedingungslosen Glauben an die Allmacht Gottes, der den Inhalt der Bibel inspiriert habe, welche damit irrtumslos in allen Fragen des Glaubens und der Lebensführung sei. Die Menschen seien per se sündhaft und schuldig und damit Gottes Zorn und Verdammnis ausgesetzt. Als Gläubige_r bestehe deswegen die Pflicht zur Mission, so dass die Menschen durch die Bekehrung zum, bzw. der Wiedergeburt durch den Heiligen Geist erlöst werden. Gottes Gnade gegenüber den Menschen wurde demnach durch Jesus Opfertod erkauft, der zum Schluss auferstehen und Gericht über alle halten werde – die Guten kommen dann in den Himmel und die Bösen in die Hölle.
Das alles klingt wie ein Schauermärchen. In der Konsequenz bedeutet es, dass neben der aggressiven Mission aller Nicht- und Andersgläubiger, die als reiner Altruismus und durch Gottes Gebot legitimiert aufgefasst wird, alle von den biblischen Regeln Gottes abweichenden Lebensweisen verteufelt werden – hier sei der „Anti-Christ“, d.h. der Teufel, am Werk, den es zu bekämpfen gelte. Die Feindbilder sind Feminismus, bzw. die Emanzipation von Frauen, Homosexualität, der Islam und der Atheismus.
Sprachrohr der DEA ist ideaSpektrum (Wochenzeitung) mit einer Auflage von 30.000, die angeblich von 100.000 Personen gelesen wird. Idea unterhält und pflegt gute Kontakte zur Jungen Freiheit (Idea-Leiter Helmut Matthies schreibt für die Junge Freiheit und trat bei deren Sommerfest 2006 als Gastredner auf. Kürzlich erhielt er den Löwenthalpreis 2009 von der Jungen Freiheit, wofür er sogar aus eigenen Reihen kritisiert wurde).

Als Teil des Dachverbandes DEA3 existiert die Evangelische Allianz Hamburg. Gegründete wurde diese im Rahmen der Initiative Gemeinsam für Hamburg4. „Dahinter steht der Wunsch, missionarisch gesinnte Christen, Gemeinden und Werke in unserer Stadt zu sammeln“5.
In einer Stellungnahme zum Verhältnis von Christen und Politik schrieb Steeb, Generalsekretär der DEA : „Die Anhänger sollten“ in Parteien mitarbeiten und dort „biblisch-ethische Wertmaßstäbe bewusst einbringen“; bereit sein „zur Übernahme öffentlicher Verantwortung in Haus, Schule, Betrieb, Bezirksbeirat, Stadtrat, als Schöffe …“; „den Mund auftun im persönlichen Umkreis, im Unterricht, im Betrieb, bei Veranstaltungen, im Gespräch mit politisch Verantwortlichen“; „Leserbriefe an Zeitungen und Zeitschriften, Rundfunkanstalten und Fernsehsender schreiben“6. Mit der Gemeinsam für Hamburg- Initiative soll dies alles auch in Hamburg passieren. Es gehe darum, meinte DEA-Chef Steeb, „dass sich unsere Gesellschaft zur ,christlichen Leitkultur‘ stellt“. „Werteungebundene Toleranz macht Deutschland zum gefundenen Fressen einer auf Expansion und Aufrichtung einer islamischen ,Gottes-Staat-Ideologie‘ ausgerichteten islamischen Weltsicht.“7 Eben dem soll ein christlicher Gottesstaat entgegengesetzt werden. Die DEA ist islamophob, homophob, antisemitisch und will kreationistische Inhalte in die schulische Ausbildung einbinden. Hierzu zählt auch die Jugendorganisation der evangelischen Allianz God is moving. Ihre hippen Gottesdienste finden u.a. in der Fischauktionshalle statt (06.06. und am 21.11.2010)8.

Vernetzung mit Medien und Politik
Insgesamt wird in den evangelikalen Gemeinden dazu angehalten, sich aktiv an dem gesellschaftlichen Leben zu beteiligen und dort im Sinne der eigenen Lehren Einfluss zu nehmen. Dementsprechend ist es gern gesehen, wenn Gläubige nach einflussreichen, öffentlichen Positionen streben. Die Platzierung von Personen mit der „richtigen“ Gesinnung, bzw. dem „richtigen Glauben“ in einflussreichen Positionen in Politik und Medien9, gehören genauso zum evangelikalen Engagement, wie das Knüpfen und Pflegen von Beziehungen zu Menschen, die solche mächtigen Positionen bekleiden. So übernahm 2008 Ursula von der Leyen, damals noch Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die Schirmherr(innen)schaft für das Christival in Bremen und unterstützte das Event mit 250.000 Euro.
In Berlin gibt es mittlerweile einen Lobbyisten der DEA, gleichzeitig Leiter des christlichen Medienverbundes KEP, Wolfgang Baake, der u.a. die Darstellung Evangelikaler in den Medien beeinflussen will und dabei auch vor Drohungen gegenüber Journalist_innen nicht zurückschreckt.

Evangelikale Islamophobie und ihre Beziehung zum Judentum
Der sich aus den Glaubensgrundsätzen der Evangelikalen ergebende Auftrag jeder_s Gläubiger_n, nicht- und anders Gläubige zum „rechten Glauben“ zu bekehren, d.h. offensiv zu missionieren, bezieht sich sowohl auf das eigene soziale Umfeld (auf der Arbeit, in der Schule und Freizeit, teilweise auch einfach auf der Straße) als auch auf andere Länder.
In Bezug auf die Angst vor der Konkurrenz des Islam, das Christentum als Weltreligion abzulösen, kommen die Evangelikalen mit den reaktionären Katholiken zusammen. Diese Angst äußert sich u.a. in Fremdenhass und paternalistischer Selbstbeweihräucherung. So führt die DEA einmal im Jahr das 30-tägige Gebet für die islamische Welt durch. Außerdem wollen sie mit Hilfe des eigens dafür gegründeten Institut für Islamfragen beweisen, dass der Islam eine menschenfeindliche Religion sei. Damit wird der Absolutheitsanspruch des christlichen Glaubens untermauert und die offensive Missionieriung gerechtfertigt.

Das Judentum spielt bei den Evangelikalen eine andere Rolle; diesbezüglich gibt es keine eindeutige Position, meist eher eine ambivalente Haltung. Zunächst vertreten Evangelikale meist eine pro-zionistische Position. Dennoch verbergen sich dahinter häufig zutiefst antisemitische Ressentiments. Die Unterstützung für den Staat Israel resultiert aus dem Glauben, dass dieser ein Zeichen der baldigen Wiederkunft Christi sei, d.h. die Aussagen der Bibel würden sich erfüllen und das jüngste Gericht stehe bevor. Zudem wird der Staat Israel als Verbündeter gegen die islamische Welt verstanden und Jüdinnen und Juden als „Gottes auserwähltes Volk“.
Dennoch wird Israel als Ort gesehen, wo zum Christentum bekehrte Jüdinnen und Juden diskriminiert und christliche Missionar_innen verfolgt werden, d.h. letztlich sei Israel antichristlich. Der Antijudaismus der Evangelikalen zeigt sich vor allem darin, dass Jüdinnen und Juden als Mörder Christi bezeichnet werden. So halten die Hardliner unter den Bekenntnisevangelikalen die Shoah zwar nicht aus rassistischen Motiven für gerechtfertigt, aber aus religiösen. Auch das Jüdinnen und Juden Jesus nicht als ihren Messias anerkennen, wird ihnen zur Last gelegt und die 2000-jährige Diaspora sowie die Shoah entsprechend als Gottes Strafe gerechtfertigt. Ob Jüdinnen und Juden missioniert werden sollten oder nicht, wird unter Evangelikalen kontrovers diskutiert.10

Pro-Life-Bewegung
Der Kampf gegen Feminismus, gegen Schwangerschaftsabbrüche und sog. „Werteerosion“, womit u.a. der vermeintliche Verfall des patriarchalen Geschlechtermodells gemeint ist, ist ein wesentlicher Strang evangelikaler politischer Aktivität. Dort arbeiten sie gern auch mit Gleichgesinnten, z.B. katholischen Reaktionären zusammen. Mit Wortschöpfungen wie Babycaust und der Aussage, dass viel mehr ungeborene Kinder ermordet worden seien, als Jüdinnen und Juden im NS, relativeren die Pro-Life-Aktivist_innen die Shoah (wie z.B. Piusbrunder Williamson) und denunzieren gleichzeitig Frauen und Ärzt_innen, die Schwangerschaftsabbrüche vornehmen lassen, bzw. diese durchführen als Möder_innen.
Die Aktivitäten der Lebensschützer_innen sind vielfältig: Sie setzen Frauen, die einen Abbruch vornehmen wollen moralisch unter Druck. Teilweise kommt es zu sog. Gehsteigberatungen, bei denen Frauen vor der Klinik abgefangen und bedrängt werden, indem ihnen z.B. manipulative Bilder oder Filme gezeigt werden. Mit dem Ziel, in großen Gebieten den Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen zu verunmöglichen werden Ärzt_innen und Kliniken, die diese durchführen mit Klagen überzogen.
Während des Christivals 2008, quasi gesponsert vom Familienministerium, waren Lebensschützer_innen mit dem Seminar „Sex ist Gottes Idee – Abtreibung auch?“ von der Birke e.V., vertreten. Hinter der dort praktizierten „Beratung“ Schwangerer steht eine emazipationsfeindliche, reaktionäre Grundhaltung, ein heterosexisitisches Frauen- und Familienbild und das Ziel es zu keinem Abbruch kommen zu lassen.
In Deutschland tritt die Pro-Life-Bewegung immer häufiger in Form von Schweigemärschen 1000 Kreuze für das Leben in Erscheinung, z.B. in Münster und Berlin. Der nächste Schweigemarsch ist am 18.9.2010 in Berlin geplant.11 2008 liefen in Münster bei einem solchen Marsch auch Nazis mit (freie Nationalist_innen und die Bürgerinitiative Ausländerstopp). Diese knüpfen an die von vielen Lebensschützer_innen vertretene völkisch-nationalistische Ideologie an, in der Frauen die Rolle der Reproduzentinnen des „Volks“ zukommt. Die Verbindung zur extremen Rechten zeigt sich auch in persönlichen Kontakten, Artikeln in der Jungen Freiheit und Zusammenarbeit bei Veranstaltungen.
Die größte Pro-Life-Organisation ist Human Life International (katholischen Ursprungs), die weltweit aktiv gegen Abtreibungsärtz_innen und -kliniken vorgehen und Psychoterror gegen Frauen ausüben, die abtreiben wollen. Auf sog. Missionsreisen u.a. nach Afrika kämpfen sie auch gegen Verhütung und Familienplanung.
Insgesamt ist zu sagen, dass unter dem Deckmantel der Wertschätzung „typisch weiblicher“ Werte, wie Mutterschaft, Fürsorge, Hingabe etc. antifeministische, patriarchale Politik gemacht und Propaganda verbreitet wird, in der die Emanzipation, Selbstbestimmung und -verwirklichung von Frauen als Sünde interpretiert wird. Frauen wird die Schuld an dem „Werteverfall“ der Gesellschaft gegeben. Jegliche Abweichung von stereotypen Geschlechterrollen, gar die Infragestellung der Zwangszweigeschlechtlichkeit sei dementsprechend Teufelswerk.

Ex-Gay-Bewegung
Entsprechend ihrer patriarchalen, heteronormativen Gesinnung verurteilen die Evangelikalen selbstverständlich auch Homosexualität – sie sei eine „Gräuelsünde“. Mittels schädlicher „Therapien“ sollen Homos von ihrer sexuellen Orientierung „geheilt“ werden. Die Ex-Gay-Bewegung ist in Deutschland mit den Organisationen Wüstenstrom, der Offensive Junger Christen und deren Deutsches Institut für Jugend und Gesellschaft aktiv. Mittels wissenschaftlicher Studien wird dort versucht nachzuweisen, dass Homosexualität mit Therapie veränderbar sei.12 Ähnlich wie die Pro-Life-Bewegung werden Menschen, die Hilfe und Beratung suchen, manipuliert und unter Druck gesetzt.
Beim Christival 2008 wurde das Seminar „Homosexualität verstehen – Chance zur Veränderung“, das von dem Deutschen Institut für Jugend und Gesellschaft geplant wurde, auf den öffentlichen Druck hin abgesagt.
Im Mai 2009 jedoch konnte in Marburg der 6. Internationale Kongress für Psychotherapie und Seelsorge von dem evangelikalen Veranstalter Akademie für Psychotherapie und Seelsorge stattfinden. Diese Veranstaltungsreihe hatte sich bereits durch die Forderung hervorgetan, Homosexualität wieder als Krankheit in den ICD-10 aufzunehmen. Wegen der diesmal geladenen Referent_innen – die Prominenz der deutschen Ex-Gay-Bewegung – wurde der Kongress scharf kritisiert. Trotz der Kritik aus weiten Teilen der Gesellschaft konnte der Kongress in den Räumen der Marburger Uni stattfinden, was mit dem Recht auf Meinungsfreiheit legitimiert wurde.

Beispiele für Hamburgs evangelikale Strukturen
Einer missionswissenschaftlichen Studie zufolge gibt es in Deutschland 1,8 Prozent „wiedergeborene Christen“. Auf Hamburg bezogen würde das etwa 30.000 evangelikale Personen bedeuten. Sichtbar wurde bei der online-Recherche eine größere Zahl an Organisationen, Freikirchen, Verbänden, Events (z.B. Gott liebt dich) in Hamburg.

Das Gemeinde- und Missionswerk Arche e.V. ist eine sehr aktive Hamburger Gemeinde. Nach ihrem Selbstverständnis ist Arche eine evangelisch-reformierte Freikirche und ein internationales Missionswerk. Gründer ist Prediger Wolfgang Wegert. Deren obligatorische Bibeltreue äußert sich beispielsweise in einer Diskussion im Internet, ob Frauen Hosen tragen dürfen, oder nicht.13
Der Hauptsitz von Arche in Hamburg befindet sich im Doerrisweg. Dort finden Gottesdienste sowie Seminare statt. Ebenso dient dieser als Treffpunkt mit diversen Angeboten zu den Themen Lebenstraining und Bibelstunden, welche sich an alle Altersgruppen wenden. Die Arche betreibt sehr aktiv Öffentlichkeitsarbeit, z.B. werden Gottesdienste im Fernsehen übertragen und können auf 5 Sendern empfangen werden, in Hamburg unter Bibel TV. In den U/S-Bahnen wird für die offenen Gottesdienste geworben. Arche hat sich der Mission verschrieben – in Deutschland, aber auch in Brasilien, Indien, Malawi, Kaliningrad, das sie auf ihrer Seite „ehemaliges Ostpreußen“ nennen, und in der Ukraine.

Eine weitere evangelikale Organisation in Hamburg ist die Jugend mit einer Mission (jmem) als Teil der youth with a mission (ywam). Sie bildet in Seminaren Jugendliche zu Missionar_innen aus, die anschließend im Ausland wie auch auf dem Kiez eingesetzt werden. Besonders auffällig ist bei dieser Organisation der offensichtliche Nationalismus, der schon durch die schwarz-rot-goldene Gestaltung der Homepage ins Auge sticht. Durch klicken des Buttons „über Deutschland“ auf der Webseite www.ywamhamburg.com, ist die „deutsche Berufung“ zu finden: „Wir Deutschen leben bis zur heutigen Generation mit der Last unserer Vergangenheit des „Dritten Reiches“. (…) Wir wünschen uns, dass wir als Nation erkennen, wer wir aus Gottes Perspektive sind und was seine Berufung für diese Nation ist.“ Die Jugend mit einer Mission werden übrigens auf der Website des Hamburger Abendblatts vorgestellt und verlinkt.

Fazit
Insgesamt gesehen sind evangelikale Positionen sehr heterogen. Besonders problematisch dabei ist der feste Glaube, das einzig Richtige zu tun und zu lehren, von Gott selbst dazu beauftragt zu sein. Die hier aufgeführten Punkte bilden nur einen Ausschnitt ihrer Aktivitäten. Die Politik der evangelikalen Bewegung kann als zweigleisig betrachtet werden: Das Streben nach gesellschaftlich einflussreichen Positionen und die Zusammenarbeit mit staatlichen und wirtschaftlichen Institutionen bildet einen Bereich ihrer politischen Arbeit. Andererseits wird durch die Verpflichtung aller Gläubigen zur Mission und die erlebnisorientierte Gestaltung ihrer Gottesdienste und Veranstaltungen versucht, eine breite Masse anzusprechen und wiederum in die Missionsarbeit einzubinden. Gemeinsam ist ihnen, dass sie als Basisbewegung auftreten. Es wird viel Wert auf Eigenverantwortlichkeit gelegt – selbstverständlich nur im vorgegebenen ideologischen Rahmen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Evangelikale einen Absolutheitsanspruch vertreten, der keinerlei Abweichung zulässt. Eine kritische Reflektion eigener Positionen kommt nicht vor, denn diese seien gottgegeben und damit unhinterfragbar.
Die missionarische Arbeit der Evangelikalen zielt speziell auf gesellschaftlich marginalisierte Personen, bzw. Menschen in schwierigen Lebenssituationen, denen die „Erlösung“ durch den Glauben verkauft wird, ab, wobei gleichzeitig die fundamentalistischen Glaubenssätze gelehrt werden. In Bezug auf die Ex-Gay-Bewegung wird dies besonders deutlich: Anstatt Personen zu stärken, die aufgrund heterosexistischer Strukturen mit ihrer sexuellen Orientierung hadern, wird unter dem Vorwand zu helfen evangelikale Ideologie verbreitet und ein Lebensmodell propagiert, das gerade auch als eine Ursache der Probleme betrachtet werden kann.

  1. Es wird versucht die Darwinsche Evolutionstheorie mittels eines eigenen Forschungszweigs namens Intelligent Design zu widerlegen. Diese Auffassung wird an einigen Schulen in Deutschland gelehrt (z.B. Georg-Müller-Gesamtschule in Bielefeld). 25.000 Schüler_innen besuchen solche Schulen, die im Verband evangelischer Bekenntnisschulen organisiert sind. [zurück]
  2. Es gibt nach wie vor Verbindungen zwischen EKD und DEA, bzw. auch innerhalb der EKD evangelikale Positionen, z.B. die Bekenntnisevangelikalen „kein anderes Evangelium“, die für antifeministische, antisemitische und antiislamische Positionen in der EKD kämpfen und auch Verbindungen mit der Jungen Freiheit haben. [zurück]
  3. http://www.ead.de/ [zurück]
  4. http://www.ea-hamburg.de [zurück]
  5. http://www.gemeinsam-fuer-hamburg.de, Button: „unsere Vision“ [zurück]
  6. http://de.wikipedia.org/wiki/Evangelische_Allianz, Quelle hierfür ist ein Spiegelbericht von Peter Wensierski, 2008 [zurück]
  7. Spiegelbericht, Wensierski, 2008 [zurück]
  8. Weitere Infos bei facebook „god is moving“ und www.godismoving.de/jl1.5/ [zurück]
  9. Wie z.B. der bekennende Evangelikale Peter Hahne, bis März 2010 Moderator von Hauptstadtstudio und sehr einflussreich im ZDF. [zurück]
  10. Sinngemäß aus dem Vortrag von Regina Wamper 8.1.2010, Rosa Luxemburg Initiative [zurück]
  11. http://www.marsch-fuer-das-leben.de/, Gegenaktivitäten: http://asbb.blogsport.de/ und http://gegen1000kreuze.blogsport.de/ [zurück]
  12. Mittlerweile ist auch wissenschaftlich nachgewiesen was eigentlich selbstverständlich sein sollte – dass solche sog. Reparativtherapien, bzw. Konversionstherapien schädlich für die Betroffenen sind. [zurück]
  13. http://www.arche-stiftung.de/ [zurück]