Redebeitrag: Rebellion statt Religion

Rebellion statt Religion!
Von der Emanzipatorischen Antifa Münster

Kaum ein Thema hat über Jahrtausende so konstant Hass und Gewalt hervorgebracht wie Religionen. Menschen führen Kriege und ermorden sich im Namen von Religionen und behaupten gleichzeitig, dass es ohne diese keine Moral in der Gesellschaft gäbe.
Wir fragen uns: Was ist die Struktur von Religionen und welche Bedeutung haben sie? Wir werden den Einfluss des Christentums beleuchten und Thesen aufstellen, warum so viele Menschen – auch in der radikalen Linken – nicht radikal mit Kirche und Religion brechen.
Demo 09. März 2013

Religionen als Ordnungsstrukturen

Religion ist Privatsache – heißt es. Niemanden geht es etwas an ob irgendwer an Götter glaubt, betet oder sonst irgendwelchen okkulten Ritualen nachgeht. Doch so einfach ist das nicht. Denn Religionen sollen öffentlich gelebt und propagiert werden. Das heißt: Nichts bleibt im Privaten! Religionen werden öffentlich mitgeteilt und zu der einzig wahren Lebensweise erklärt. Damit werden sie zu Ordnungsstrukturen der Gesellschaft. Sie schreiben vor, wie Menschen zu denken und zu leben haben. Und das meistens nicht nur ihren Anhänger*innen, sondern allen Menschen. Wenn Religionen zusätzlich vom Staat nicht konsequent getrennt sind – wie in Deutschland – dann bekommen sie zudem die Macht, Teile ihrer häufig reaktionären Vorstellungen auch durchzusetzen.

Religiöse Institutionen stehen emanzipatorischen Ideen im Weg. Sie sind hierarchische Gebilde, die sich nicht auf die Gleichwertigkeit von Menschen beziehen. Sie unterteilen und sprechen manchen mehr Macht zu als anderen.

Doch unabhängig von ihrer konkreten Verfasstheit und Auslebung sind Religionen bereits im Ansatz anti-emanzipatorisch. Sie machen Zukunftsversprechungen: Irgendwann wird alles gut. Paradies oder Erleuchtung – völlig egal. Irgendwann ist alles gut. Der Knackpunkt: Der Zeitpunkt liegt außerhalb des Lebens. Damit wird gesagt, dass es nicht darum geht hier und jetzt ein menschenwürdiges, gutes Leben für alle zu schaffen. Sondern alles hinzunehmen, denn irgendwann kommt die beschissene Erlösung. Gerade das Leiden wird hoch gehalten und vermeintlich irgendwann entschädigt. Und genau diese Einstellung hält Menschen davon ab sich gegen menschenunwürdige Verhältnisse zu wehren, für ihre Rechte zu streiten. Religionen sind somit ein äußerst nützliches und wichtiges Mittel von Staaten und Herrschaft allgemein, Aufstände und Selbstbestimmung bereits präventiv zu verhindern.

Doch die Menschen kämpfen trotzdem. Jedoch nicht für ein besseres Leben. Sie kämpfen für einen Gott oder für die vermeintlich richtige Auslegung einer Schrift. Sie kämpfen damit ebenfalls gegen das eigenständige Denken. Wenn lediglich für ein Stück Papier gekämpft wird (und wenn dieses Papier auch “das Kapital” heißt), dann kommen Kriege und sogenannte Säuberungen dabei heraus. Gepredigt wird schließlich blinder Gehorsam und Treue statt Vernunft und Diskussionsfreudigkeit.

Und in Deutschland?
Nun wird behauptet: das ist alles kein Problem mehr. Schließlich leben wir in einer aufgeklärten, säkularisierten Welt, in der Kirche und Staat getrennt sind. Pustekuchen. Alles gelogen. Nichts ist getrennt und das hat tagtäglich Auswirkungen auf die Menschen. Der Einfluss von Religionen auf die Politik ist so stark wie eh und je und festigt somit patriarchale Strukturen.
Religionsunterricht an staatlichen Schulen gibt es immer noch. Anspruch auf einen Kindergartenplatz haben alle. Allerdings nicht auf einen staatlichen. Mit staatlichen Geldern, werden christliche Kita-Plätze ausgebaut um bereits die Kleinsten mit dem größten Müll zu indoktrinieren. Auch viele Pflegebedürftige haben es schwer konfessionslose Einrichtungen zu finden. Trotz Antidiskriminierungsgesetz darf die Kirche ganz offiziell z.B. Schwule und Lesben kündigen, weswegen viele nicht offen zu ihren Beziehungen stehen können. Insgesamt gibt es in der Kirche nur stark beschränkte Arbeitsrechte und die wenigsten stören sich öffentlich daran. Und das obwohl die Kirche in Deutschland mittlerweile die zweitgrößte Arbeitgeberin ist.

Kopftücher, Beschneidungen, Ehe: hätten Religionen keinen gesellschaftlichen Einfluss mehr, wären dies vermutlich alles Themen, die wesentlich weniger dramatisierend diskutiert würden – wenn überhaupt existent. Der § 218 StGB wäre vielleicht längst vom Tisch, wenn nicht immer wieder christliche Verbände Sturm laufen würden, um ihren Zugriff auf den Körper von Frauen behalten zu können.

Warum kein massenhafter Austritt und Boykott?

Mit Religionen geht es also nicht vorwärts. Das sollte euch allen klar geworden sein. Doch erstaunlicherweise bleiben viele – auch viele Linke – weiterhin in der Kirche. Die Begründung ist meistens die Jobaussicht im sozialen Bereich, in dem die Kirchen weiterhin die Hoheit haben. Doch ist das alles? Oder lösen religiöse Rituale, die an die früheste Kindheit erinnern, nicht vielleicht bei vielen christlich sozialisierten Menschen ein Gefühl der Vertrautheit aus? Würde ein Kirchenaustritt vielleicht zu einer Art Heimweh führen? Oder ist es die fehlende Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit dem familiären Umfeld?
Doch selbst wenn es tatsächlich nur um den Arbeitsplatz geht: Warum wird eine zutiefst reaktionäre Institution unterstützt? Unserer Meinung nach ist es eine Doppelmoral Menschen persönlich dafür verantwortlich zu machen, wenn sie in der Rüstungsindustrie, bei Abschiebebehörden oder bei den Cops arbeiten, aber gleichzeitig Kinder zu taufen, in der Kirche zu bleiben, für diese zu arbeiten und ihren gesellschaftlichen Status damit weiterhin zu festigen.
Es gibt Dinge, die schwer alleine bekämpfbar und veränderbar sind: Beispielsweise das normative Zweigeschlechtersystem, Staaten oder der Kapitalismus. Die Kirchen zu boykottieren oder zu sabotieren ist jedoch einfach. Jede*r einzelne kann ganz allein und leicht aus der Kirche austreten ohne dass es weh tut. Niemand wird gezwungen für die Kirche oder in kirchlichen Einrichtungen zu arbeiten, die andere Menschen aufgrund ihrer Lebensweise ablehnen. Lasst uns gemeinsam Kirchenaustritte feiern. Insbesondere Sünder*innen sollten schnell austreten, denn: Ohne Kirche keine Hölle! Lasst uns nicht bewusst Privilegien einsetzen und damit manifestieren. Wir können handeln und wir können Religionen etwas entgegensetzen.

Wir kämpfen für ein gutes Leben vor dem Tod!
Rebellion statt Religion!