Polizeiwillkür gegen „My body my choice“ Demonstration in Münster

Alle Jahre wieder gehen im März in Münster hunderte Demonstrant*innen auf die Straße um für das Recht auf Schwangerschaftsabbruch und ein selbstbestimmtes Leben in einer herrschaftsfreien Gesellschaft zu demonstrieren. Ursprünglich als reine Protestaktion gegen den „1000 Kreuze für das Leben“ Marsch fundamentalistischer Christ*innen, hat sich seit 2013 eine eigenständige Demonstration entwickelt.

Am 21.03. gingen ca. 350 Aktivist*innen unter dem Motto „Raise your voice – your body your choice“ auf die Straße. Sie zogen quer durch die Innenstadt und stoppten für Redebeiträge zu Themen wie Schwangerschaftsabbrüche, staatliche Finanzierung von Kirchen, Ableismus (Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen/Behindertenfeindlichkeit) und Pränataldiagnostik (die Beiträge werden in absehbarer Zeit auf gegen1000kreuze.blogsport.de veröffentlicht). Dazu gab es Grußworte an die Genoss*innen in Stuttgart, die zeitgleich gegen einen Aufmarsch der „besorgten Eltern“ demonstrierten und in Nürnberg, wo Nazis eine feministische Demonstration angegriffen hatten.

Lautstark, gut gelaunt und mit viel Glitzerkonfetti verlief die Demonstration, bis zum Abschluss in der Aegidiistraße. Dort stürmte ein Trupp Polizist*innen in die Demo um einen Genossen im Schwitzkasten durch die Menge zu prügeln. Einer der Vorwürfe „Hinterlassen von Müll“ – er soll Konfetti geworfen haben. Zusätzlich wird ihm vorgeworfen von einem Stand von Verschwörungstheoretiker*innen zu viele Flyer zum Thema „Chemtrails“ mitgenommen zu haben. Die brutale Festnahme durch die Polizei legitimiert abschließend dann auch noch den Vorwurf des Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte.

Mit ziemlicher Brutalität prügelte die Polizei den 1000-Kreuze-Marsch durch die Innenstadt und verhinderte so fast vollständig Protest in räumlicher Nähe zu den christlichen Fundamentatlist*innen. Nichtsdestotrotz schafften Aktivist*innen es immer wieder an die Gebets-Route und konnten den Marsch kritisch flankieren.

Im Gegensatz zum Vorjahr ist die Gebetsquälerei der Euro-Pro-Life-Anhänger*innen um den Versammlungsleiter Wolfgang Hering wieder kleiner geworden. Rund 100 von ihnen trauten sich dennoch, sich mit Marienstatuen und Gebetsgejaule wieder zu Deppen zu machen.

Insgesamt ziehen wir ein positives Fazit des heutigen Tages, bedanken uns bei allen, die wieder mit uns ein klares Zeichen für den Feminismus gesetzt haben.

Wir werden uns auch 2016 in Münster sehen, wenn es wieder heißt: „Gegen jeden Fundamentalismus – nieder mit Jesus und für den Feminismus!“