2017
Interview mit Feminismus im Pott

2016
Ein Beitrag von broadly zum 1000-Kreuze-Marsch 2016 in Münster

2013
Ruhrbarone vom 09.03.2013

1000 Kreuze-Marsch Münster: “Eure Kinder werden alle queer!”
Von Martin Niewendick

Am Ende standen sie missmutig im Regen. Der “1000 Kreuze Marsch”, den fundamentalistische Christen heute in Münster abhielten, wurde dank der zahlreichen Gegendemonstranten zur Farce.

Aus mehreren Städten sind knapp 400 Leute nach Münster gekommen, um gegen die radikalen Abtreibungsgegner zu demonstrieren. Dabei gab es zuerst eine eigene Demo, am frühen Nachmittag dann sollte der “Marsch für das Leben” der christlichen Fundamentalisten gestört werden. An Kreativität mangelte es den Aktivistinnen und Aktivisten nicht. Einige verteilten Schokomuffins im Vagina-Style, viele waren verkleidet: Pink war die Farbe des Tages. Eine Trommlergruppe ließ sich von einem Dirigenten zu heißen Rythmen animieren. Die feministische Demo führte quer durch die Münsteraner Fußgängerzone. Dabei wurde Musik gespielt, es gab Redebeiträge auf deutsch, englisch, spanisch und türkisch. Dazu kamen Grußworte von Gruppen aus Berlin und Salzburg. Auf den Plakaten stand etwa “Feminismus, Lesben, Schwule, gibt’s auch in der Nonnenschule”. So wurden die Münsteraner Passanten schrill, bunt und laut aus ihrem samstäglichen Kaufrausch gerissen. Die Reaktionen waren größtenteils amüsiert bis interessiert. Alles blieb friedlich.

Als am Nachmittag dann der “1000 Kreuze Marsch” an der Ägidiikirche startete, waren auch die feministischen Demonstrantinnen und Demonstranten nicht weit. Mit Sprechchören und Pfeifkonzerten wurde der Aufzug begleitet. Die etwa 120 radikalen Christen sangen, murmelten Gebete oder schwiegen. Dem Spott der Menge hatten sie nichts entgegenzusetzen, außer dem intensiven Abfilmen der Gegendemonstranten. Diesen gelang es immer wieder, den christlichen Marsch zu unterwandern. Einem Demonstranten wurde sogar eines der weißen Holzkreuze ausgehändigt, mit denen die Fundis den angeblich 1000 abgetriebenen Föten pro Tag gedachten. Zum Abschluss des Marsches stellten sich die radikalen Christen auf eine Brücke über der Aa, und verlasen fiktive Namen, um Kindern zu gedenken, die, dank Abtreibung, “nie geboren wurden”.Foto1098 Es war einer der skurrilsten (und gruseligsten) Momente des Tages. Zwei Gegendemonstranten hatten sich anscheinend darauf vorbereitet. Mit Gummistiefeln, Ghettoblaster und Tröten standen sie unter der Brücke in der Aa und machten ordentlich Lärm. Die restliche Gegendemo unterstützte sie dabei lautstark. Und bei dem Spruch “Eure Kinder werden so wie wir – Eure Kinder werden alle queer!”, mussten selbst einige “Lebensschützerinnen” in sich hinein grinsen. Durchnässt vom Regen gab’s dann noch ein Abschlussgebet, was aber, wie alles, was die Fundis von sich gaben, heillos im Getöse der bunten Masse unterging. Sichtlich frustriert zogen sie um kurz nach 16 Uhr ab. Den Kampf gegen Abtreibung haben die radikalen Christen am heutigen Tag haushoch verloren.

Jungle World vom 08.03.2013

Jeder nur ein Kreuz

In Münster wollen christliche Fundamentalisten gegen das Recht auf Abtreibung demonstrieren. Zu Überschneidungen mit der extremen Rechten kommt es dabei nicht nur in der Rhetorik.

von Evelyn Tietze

Im erzkatholischen Münster werden am kommenden Samstag erneut fundamentalistische Christen gegen das Recht auf Abtreibung demonstrieren. Ihre Anhänger sollen mit Bussen aus ganz Deutschland zusammengekarrt werden und auch Wolfgang Hering, der Vorsitzende von Euro Pro Life, wird wohl eigens aus München anreisen. Wie bereits in den vergangenen sieben Jahren ist es nämlich sein Verband, der den Gebetszug unter dem Titel »1 000 Kreuze für das Leben« organisiert, bei dem die Teilnehmer regelmäßig betenderweise weiße Holzkreuze mit sich herumtragen. Die »1 000« im Namen steht für die Zahl der nach Ansicht der Veranstalter angeblich an jedem Werktag durchgeführten Schwangerschaftsabbrüche. Das Statistische Bundesamt dagegen spricht von lediglich 300 Schwangerschaftsabbrüchen, was unter anderem ein Grund dafür ist, dass eine ähnliche Veranstaltung in Berlin sich mittlerweile nur noch »Marsch für das Leben« nennt. Weitere Demonstrationen unter dem statistisch zweifelhaften Motto finden alljährlich in Fulda und München statt.

Für die Organisatoren ist eine Abtreibung innerhalb der ersten zwölf Schwangerschaftswochen bereits mit der Tötung eines Kindes gleichzusetzen. Im vorigen Jahr gedachten die etwa 150 selbsternannten Lebensschützer diesen mit einer symbolischen Aktion und warfen verschiedenfarbige Rosen in den Fluss Aa, der durch Münster fließt, und lasen dazu abwechselnd männliche und weibliche Vornamen vor, bevor die Blüten den Strom hinabtrieben. Einige Beobachter fühlten sich an den Titanic-Comic »Der Papst treibt ab« erinnert.

In ihren Publikationen versucht die Organisation Euro Pro Life, Frauen mit dem wissenschaftlich nicht belegten »Post-Abortion-Syndrom« zu ängstigen. Die angebliche psychische Erkrankung wird ausschließlich von vorgeblichen »Lebensrechtaktivisten« als solche anerkannt und als eine spezielle Form der posttraumatischen Belastungsstörung klassifiziert. Die Erfahrungen der Frauen werden dabei häufig mit denen von Kriegsveteranen verglichen. Die Möglichkeit negativer psychischer Folgen von ungewollter Mutterschaft wird hingegen bestritten.

Mit Kampfbegriffen wie »Babycaust« und der Bezugnahme auf den umstrittenen Kardinal Clemens August Graf von Galen, der während des Nationalsozialismus Bischof von Münster war, begeben sich die Veranstalter auf diskursives Glatteis. Gegner des Marsches kritisieren die Positionen der Fundamentalisten unter anderem als anti­semitisch.

Zu allem Überfluss führen die Abtreibungsgegner in Münster jeden Monat sogenannte Gehsteigberatungen durch. Das aus den USA stammende Konzept besteht schlicht darin, Schwangere, die kurz vor einem Abbruch stehen, vor den jeweiligen Kliniken abzufangen und zu belästigen. Dabei arbeiten die Fundamentalisten unter anderem mit kleinen Plastikembryonen, um Schuldgefühle bei den Frauen zu erzeugen. Auf ihrer Website veröffentlichen die Westfalen zudem pseudowissenschaftliche Statistiken und bieten Beratungen an.

Dass der Aufzug gerade in Münster stattfindet, verwundert nur wenig. Die Stadt mit den beliebtesten »Tatort«-Kommissaren hat eine große katholische Gemeinde und die »Pille danach« ist nur in zwei Krankenhäusern der Stadt problemlos erhältlich. Auch wenn sich das Bistum Münster seit 2009 von den Fundamentalisten distanziert, sie sogar als »Kampftruppe am äußersten Rand der Kirche« bezeichnete und ihnen seitdem keine Räumlichkeiten mehr zur Verfügung stellt, sind ihre Positionen durchaus anschlussfähig für die Mitte der Gesellschaft. Ein Großteil der Organisierten stammt der Berliner Forschungsgruppe Christlicher Fundamentalismus zufolge aus der Mittelschicht und lebt in eher ländlichen Gegenden, agiert also mit Ausnahme der Märsche eher verdeckt und unbehelligt.

Doch es regt sich auch Widerstand in der Universitätsstadt. Ein Bündnis, das sich selbst als feministisch und linksradikal bezeichnet, ruft zu einer Demonstration unter dem Motto »Raise your voice – your body, your choice« auf, die drei Stunden vor dem Marsch stattfinden soll, und will versuchen, damit eigene Akzente zu setzen. Im Aufruf zur Veranstaltung kritisiert der Zusammenschluss, die Kreuzträger würden versuchen, ein »ho­mo­pho­bes und frau­enfeind­li­ches Welt­bild auf die Stra­ße zu tra­gen und Frau­en ihr Recht auf Selbst­stim­mung ab­spre­chen.«

In den vergangenen Jahren kam es bei den Gegenprotesten zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. 2009 wurden 106 Gegendemonstranten wegen des Vorwurfs der groben Störung mit der Absicht der Sprengung einer nicht verbotenen Versammlung angeklagt. Ein Großteil der Betroffenen erhielt einen Strafbefehl über eine Geldstrafe von bis zu 2 400 Euro. Insgesamt sprach das Bündnis sogar von Kosten von mehr als 60 000 Euro. Bisher sind die Urteile nicht rechtskräftig und nach Angaben der Sprecherin des Bündnisses, Rita Tramm, ist auch noch kein Ende in Sicht. Sie sei aber guter Hoffnung.

Der Begriff der groben Störung, der unter Paragraph 21 des Versammlungsgesetzes geführt wird, kam bisher nur selten zur Anwendung. Für gewöhnlich ziehen Störungen beispielsweise von Neonaziaufmärschen lediglich Verfahren wegen Ordnungswidrigkeiten nach sich. Die Münsteraner Staatsanwaltschaft beabsichtigt laut Angaben des Bündnisses gegen den Aufmarsch der christlichen Fundamentalisten die Schaffung eines Präzedenzfalles. Sebastian Nickel, Anwalt eines Betroffenen, sieht in den Verfahren eine Bedrohung der Grundrechte: »Die Strafbefehle stellen damit nicht nur ein völlig überzogenes Vorgehen im Einzelfall dar, der Versuch, friedlichen Protest pauschal als strafbares Verhalten zu verurteilen, muss vielmehr auch als ein Angriff auf die Versammlungsfreiheit als solche gewertet werden.«

Proteste gab es dennoch auch in den Folgejahren. 2011 kam es dabei erneut zu Schwierigkeiten mit der Polizei, die dem Marsch nach einigen Verzögerungen den Weg bahnte. Die Adressaten der Proteste jedoch zeigen sich jedes Jahr aufs Neue verärgert von den Aktionen. So echauffieren sich Nutzer eines christlichen Forums über Parolen wie »Nieder mit Jesus« und geworfene Kondome. Auch das Verkleiden als christliche Würdenträger missfällt ihnen. Ähnlich wie in Berlin sind auch in Münster die Gegenaktivitäten überwiegend bunt und kreativ. Tramm zufolge erregt besonders das Werfen von Konfetti die Gemüter der selbsternannten Lebensschützer.

Bei einer Rhetorik, die Euthanasieverbrechen im Nationalsozialismus durch deren Gleichsetzung mit Schwangerschaftsabbrüchen relativiert und mit Aussagen wie »Ein Volk stirbt im Mutterleib« völkische Positionen anspricht, verwundert es nicht, dass in den vergangenen Jahren immer wieder Vertreter der NPD unter den Fundamentalisten anzutreffen waren und dass auch PI-News regelmäßig über die Demonstrationen berichtet. Zudem rief die rechtspopulistische Ver­einigung Pro NRW im vorigen Jahr ebenfalls zur Teilnahme am Gebetsmarsch auf. Derartige Überschneidungen scheinen keine Seltenheit zu sein und sind auch bei den Demonstrationen in anderen Städten zu beobachten. Somit ist der Aufzug am 9. März eine gute Gelegenheit, feministische mit antifaschistischer Kritik zu verbinden und auf der Straße sichtbar zu machen.

Junge Welt vom 25.01.2013

Typisch deutsche Misere
Militante Abtreibungsgegner sollen katholische Kliniken genötigt haben, einer vergewaltigten Frau Hilfe zu verweigern
Von Jana Frielinghaus

Was am 17. Januar von einer Kölner Ärztin öffentlich gemacht wurde, erhitzt seither die Gemüter. Zwei katholische Kliniken in Köln hatten sich Mitte Dezember geweigert, ein mutmaßliches Vergewaltigungsopfer zwecks Spurensicherung zu untersuchen. Die junge Frau war morgens in einem Park in Köln aufgewacht, ohne zu wissen, wie sie dorthin gekommen war. Die Notärztin Irmgard Maiworm vermutete, daß sie jemand mit K.O.-Tropfen betäubt und vergewaltigt haben könnte und wollte sie zur gynäkologischen Untersuchung überweisen (siehe jW vom 18.1.). Allein, die Ärzte der beiden von ihr kontaktierten Kliniken, des St.-Vinzenz-Krankenhauses und des Heilig-Geist-Krankenhauses, lehnten die Behandlung der Frau ab. Begründung: Sollte es zur vermuteten Diagnose kommen, stünde die Verschreibung der »Pille danach« oder gar ein Beratungsgespräch über die Möglichkeit eines Schwangerschaftsabbruches zur Debatte. Beides könne man nicht anbieten. Im zuständigen Erzbistum streute man sich Asche aufs Haupt – und versicherte, es gebe keine interne Anweisung, mutmaßliche Vergewaltigungsopfer nicht zu untersuchen. Nur die Verhütungspille könne man nicht verschreiben.

Der Fall wirft ein Schlaglicht auf drei Problemfelder: den wachsenden Einfluß und die zunehmenden Aktivitäten militanter Abtreibungsgegner, die Sonderrechte, die kirchliche Einrichtungen für sich geltend machen, obwohl sie zu 95 Prozent durch staatliche Gelder finanziert werden – und die Rezeptpflicht für die sogenannte Pille danach, deren Abschaffung seit Jahren vom Pro-Familia-Bundesverband – bislang vergeblich – gefordert wird. Die beiden letztgenannten sind typisch deutsch. Sie zeigen, welch verheerende Folgen der Status haben kann, den die Kirchen hierzulande genießen – und daß es den Kölner Fall so nicht hätte geben können, wenn Notfallkontrazeptiva frei verkäuflich wären – wie in 28 anderen europäischen Staaten.

Der Tagesspiegel enthüllte diese Woche, daß der Grund für die Zurückweisung der Patientin durch die Kölner Ärzte offenbar ein Detektiveinsatz im Auftrag radikaler »Lebensschützer« war. Eine von ihnen angeheuerte Ermittlerin hatte demnach im Oktober 2011 in vier katholischen Kliniken um die »Pille danach« gebeten und Einrichtungen, die ihren Wunsch erfüllten, beim Erzbistum Köln angeschwärzt. Die Folge: Die Ärzte der Vinzenz-Klinik waren, weil ihr Haus zu den denunzierten gehörte, verunsichert, fürchteten um ihren Job. Dies bestätigte der Sprecher der Cellitinnen-Stiftung, Trägerin der Klinik, der Zeitung. Die Ärztin Irmgard Maiworm arbeitet in der von der Kassenärztlichen Vereinigung getragenen Notfallpraxis auf dem Klinikgelände und hatte der Betroffenen die »Pille danach« bereits verschrieben.

Unterdessen teilte die nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) mit, die Abweisung der Frau habe nicht gegen staatliche Vorschriften verstoßen. Bislang sei nicht erkennbar, »daß der Krankenhausträger sich nach krankenhausaufsichtsrechtlichen Prinzipien pflichtwidrig verhalten hat«, hieß es in einer Pressemitteilung ihres Hauses vom Mittwoch. Die Aufklärung des Vorgangs sei jedoch noch nicht abgeschlossen. Wenn ein Krankenhaus die Versorgung eines mutmaßlichen Vergewaltigungsopfers nicht anbieten könne, müsse eine umfassende Versorgung »auf anderen Wegen« sichergestellt werden.

NRW-Vizeministerpräsidentin Sylvia Löhrmann (Grüne) hatte am Dienstag erklärt, die »skandalösen Vorgänge in Köln« widersprächen »eklatant dem christlich-sozialen Auftrag dieser Krankenhäuser« und seien »ein Verstoß gegen die Menschlichkeit«. Löhrmann will den Kölner Fall zum Thema im Zentralkomitee der deutschen Katholiken machen, dem sie angehört. Auch in der CDU sorgte der Fall für Empörung. Der Bundestagsabgeordnete Jens Spahn etwa sagte der Welt am Sonntag, Krankenhäuser, die so etwas täten, »müßte man eigentlich vom Netz nehmen«.

Was Kardinal Joachim Meisner unterdessen am Dienstag von sich gab, zeigte einmal mehr, in welchem Ausmaß nicht nur Bigotterie, sondern auch Unkenntnis – oder bewußte Desinformation – das Handeln der Katholiken beherrschen. Der 79jährige bat zwar die betroffene junge Kölnerin um Entschuldigung und zeigte sich »beschämt«. Alles medizinisch und seelsorgerisch Nötige hätte unternommen werden müssen, so Meisner – aber: »Ausgenommen sind nach unserem Selbstverständnis allerdings alle Maßnahmen, welche die Tötung eines möglicherweise schon gezeugten Kindes bedeuten«. Der »Lebensschutz« sei »eine unüberschreitbare Grenze und jedem menschlichen Eingriff entzogen«. Die »Pille danach« aber, deren Verschreibung die Katholiken so vehement ablehnen, »tötet« jedoch keineswegs eine befruchtete Eizelle (die hier als »Kind« bezeichnet wird), sondern hemmt die Reifung der Eizelle sowie den Eisprung – unter der Voraussetzung, daß dieser noch nicht stattgefunden hat. Eine bereits in der Gebärmutter eingenistete befruchtete Eizelle wird dadurch nicht beeinträchtigt, mithin bietet dieses Medikament auch keinen vollständigen Schutz gegen eine Schwangerschaft. Es ist also keineswegs eine »Abtreibungspille« wie etwa das Präparat Mifegyne.

Alice Schwarzer wies am Mittwoch in einem Blogeintrag auf die »unerträgliche Kluft zwischen menschlichem Leben und katholischer Doktrin« hin. Gläubige Katholikinnen ließen Schwangerschaften nicht seltener abbrechen als andere, das belegten Studien, so Schwarzer. Weltweit sei »vor allem die katholische Kirche für die jährlich über 80000 toten Frauen verantwortlich, krepiert bei illegalen Abtreibungen. Das nennen Kirchenmänner wie Meisner ›Lebensschutz‹.«

Feministinnen haben unterdessen ein Ende der staatlichen Finanzierung kirchlicher Krankenhäuser gefordert. Rita Tramm, Sprecherin des Bündnisses »Raise your voice – your body your choice«, erklärte am Mittwoch: »Es kann nicht sein, daß der Staat finanziell weiterhin eine antifeministische Politik unterstützt«.

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2012

MZ vom 11.03.2012

Abtreibungsbefürworter stören Demo massiv

Zwei Strafanzeigen, weil die Gegendemonstranten Widerstand gegen die Polizei geleistet haben, eine Strafanzeige, weil ein Gegendemonstrant Reizgas dabei hatte, und fünf Platzverweise: Das ist die wenig friedliche Bilanz der Polizei des 1000-Kreuze-Marschs und der Gegendemonstration, die am Samstag durch Münsters Innenstadt gezogen waren – unter der Beobachtung von zwei Hundertschaften.

Rund 100 radikale Abtreibungsgegner hatten sich nach Schätzungen der Beamten am Nachmittag zur Auftaktkundgebung am Aegidii-Kirchplatz versammelt. Die Organisation „Euro Pro Life“ hatte zu ihrem „1000 Kreuze Gebetsmarsch für das Leben“ aufgerufen. Weiße Holzkreuze, die 1000 abgetriebene Kinder pro Werktag in Deutschland symbolisieren sollen, sowie eine Pilger-Madonna vor sich her tragend, trafen die christlich-fundamentalistisch geprägten Teilnehmer des Zugs auf bis 200 Gegendemonstranten.

Gebete für das ungeborene Leben

Man wolle für das ungeborene Leben beten, sagte Organisator Wolfgang Hering nach der Kundgebung. Um auf sein Anliegen, nämlich „die Verhinderung von Abtreibung und künstlichen Verhütungsmitteln“ aufmerksam zu machen, bedient sich der 1000-Kreuze-Marsch dem Umfeld der katholischen Kirche. Mitglieder der Gruppe versteckten sich unter anderem hinter Kardinal-von-Galen-Plakaten. Ein bizarres Bild.

Dazu dröhnte das Pfeifkonzert der Gegenbewegung auf den Platz. Das schien nervös zu machen. Abtreibungsgegner mit weißen Ordner-Binden am Oberarm liefen ziellos umher. Hering erklärte, kein Gegner von Verhütungsmitteln zu sein, soweit sie natürlich seien. Konkret hieße das, „sich als Mann dem Zyklus der Frau zu unterwerfen“.

Lauter, teils aggressiver Protest

Genügend Stoff für die Gegenbewegung zu lautstarkem Protest. In dichten Ketten hinderten die Einsatzkräfte den laut protestierenden Widerstand daran, den Marsch zu blockieren. Die zum Teil bunt kostümierten, sich auf Plakaten zur linken Szene bekennenden Protestler, begleiteten den Gebets-Marsch auf Nebenstraßen und versuchten den Zug mit massivem, wenn auch größtenteils verbalem Protest („Judenmörder“ und „Fundamentalismus raus aus den Köpfen“) zu unterbrechen. Nach der Zahl der Strafanzeigen und Platzverweise zu urteilen, ist dies zumindest zeitweise auch gelungen

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WN vom 11.03.2012

„1000 Kreuze Gebetsmarsch für das Leben“ : Ungeborenem Leben verpflichtet

Im Gedenken an die ungeborenen Kinder in Deutschland zogen Abtreibungsgegner am Samstag durch Münsters Innenstadt. Der sogenannte „1000 Kreuze Gebetsmarsch für das Leben“ wurde von Gegendemonstranten massiv gestört.

Stolz trägt Stefan Rieder ein schweres Madonnen-Bild vor sich her, mehrere Kilometer durch Münsters Innenstadt. Der 18-Jährige ist extra aus dem Allgäu angereist. Mit ihm demonstrierten am Samstag 109 Menschen aus London, Altötting oder dem Erzgebirge gegen die Abtreibung. Im 1000-Kreuze-Marsch des Vereins „Euro Pro Life“. Damit erinnern sie an die täglich 1000 ungeborenen Kinder in Deutschland. „Für mich ist Abtreibung der Dritte Weltkrieg – unsichtbar im Mutterleib“, erläutert Rieder.

Wolfgang Hering, Präsident von „Euro Pro Life“, betont, keine politische Demo zu veranstalten. „Es ist eine Gebetsprozession für ungeborene Kinder, ihre Mütter und die Abtreibungsärzte.“

Ordentlich aufgereiht marschieren sie los. Alte wie junge Menschen, mit weißen Kreuzen in der Hand oder Plakaten, die Embryos im Mutterleib zeigen, singen christliche Lieder. Nach wenigen Metern gibt es heftiges Störfeuer. Auf der Aegidii­straße empfangen sie 200 Gegendemonstranten. Sie schreien Parolen, pfeifen, tröten mit Vuvuzelas, schmeißen mit Konfetti und Kondomen. Ein Mann reißt Teilnehmern des 1000-Kreuze-Marsches plötzlich mehrere Kreuze weg. Er wird von der Polizei abgeführt. Trotz massiver Absicherung des Marsches durch zwei Hundertschaften der Polizei aus Bochum und Recklinghausen versuchen einige Gegendemonstranten an mehreren Stellen mit Seifenblasenpistolen und Rempeleien den Aufzug zu stören. Sie laufen kreuz und quer, um Polizeiabsperrungen zu umgehen.

Shoppingfreudige Passanten ärgern sich über den „Höllenlärm“, „die bedrohliche Enge“, „das hohe Polizeiaufkommen“ oder sichern sich die besten Plätze zum „Demo gucken“. Die Ostbeverinnen Angelika und Gerburg zeigen Verständnis für beide Demonstrationen: „Jeder sollte seine Meinung zeigen können.“ Ganz anders drauf zwei Archäologiestudentinnen: „Wir sind gegen jeden Extremismus.“

Während ihres knienden Gebetes am Überwasserkirchplatz werfen die Abtreibungsgegner symbolisch für jedes ungeborene Kind Rosen in die Aa. Manche schauen wütend, als sich Abtreibungsbefürworter, als Clowns, Bischöfe oder Nonnen verkleidet, mit Parolen im Akkord über sie lustig machen. Insgesamt musste die Polizei fünf Gegendemonstranten einen Platzverweis erteilen. Zwei leisteten bei der Durchsetzung Widerstand. Gegen sie wurde ein Strafverfahren eingeleitet. Gegen eine weitere Person wurde Anzeige erstattet, weil sie ein Reizstoffsprühgerät dabei hatte.

Für Polizeisprecher Jan Schabacker verliefen Demo und Gegendemo deutlich ruhiger als in den Jahren zuvor: „Unser Sicherungskonzept ist aufgegangen“, bilanzierte er. Vor der Kardinal-von-Galen-Skulptur endeten beide Demos um 17 Uhr lautstark – aber friedlich.

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2011

Jungle World vom 17.03.2011

Drei Vaterunser für die Polizei

Am Wochenende marschierten erneut Abtreibungsgegner durch Münster. Die christlichen Fundamentalisten treibt auch die Sorge um die Zukunft Deutschlands um.

von Annelie Kaufmann

Wolfgang Hering ist dankbar: »Vergelt’s Gott!« Der Vorsitzende des Vereins Euro Pro Life richtet sich mit seinen Worten an die Bereitschaftspolizei, die mit einem großen Aufgebot den »1 000-­ Kreuze-Marsch« begleitet hat. Zum Abschluss der Kundgebung bittet er die Teilnehmenden um »drei Vaterunser für die Polizei«. Und er fügt hinzu: »Glauben Sie mir, einige der hier anwesenden Demonstranten hätten es gern gesehen, wenn ein Polizeiauto in Flammen aufgegangen wäre.« Die anwesenden Demonstranten und Demonstrantinnen warfen mit Konfetti und riefen: »Eure Kinder werden alle queer.« Sie beglei­teten die Veranstaltung mit Trillerpfeifen und Plakaten. Frauen haben mit Frauen, Männer mit Männern geknutscht, einige Kondome flogen durch die Luft – ein anderes Bild als in Herings Gewaltphantasie.

Solche Szenen spielen sich mittlerweile jährlich in Münster ab. Am Wochenende hatte Euro Pro Life zum sechsten Mal zu dem »Gebetszug« mit dem Slogan »1 000 Kreuze für das Leben« auf­gerufen. Etwa 150 Teilnehmer trugen weiße Kreuze »als Zeichen der Trauer um die ca. 1 000 vorgeburtlich getöteten Kinder, die an einem gewöhnlichen Werktag in Deutschland abgetrieben werden«. Eine Zahl, die frei erfunden ist – das Statistische Bundesamt verzeichnet etwa 300 Schwangerschaftsabbrüche am Tag, die Zahl sinkt jedoch. Für die selbsternannten »Lebensschützer« ist aber die Beendigung einer Schwangerschaft innerhalb der ersten zwölf Wochen gleichzusetzen mit der Tötung eines Kindes. Frauen, die sich für eine Abtreibung entscheiden, werden als »Mütter in Not« bezeichnet.

Anne Neugebauer vom Autonomen Frauen-Lesben-Plenum Münster sagt dazu: »Euro Pro Life pflegt ein ganz klar fundamentalistisches, christliches Rollenbild. Frauen sind als Ehefrauen und zum Gebären da.« Aber es geht nicht allein um die Rollenzuschreibung. »Deutschland wird nur eine Zukunft haben, wenn wir eine Kultur des Lebens aufbauen, statt Leben massenhaft zu zerstören«, heißt es in dem Aufruf von Euro Pro Life zu der Veranstaltung in Münster. Als Ziel des »Lebensschutzes« wird auf der Internetseite des Vereins die Erhöhung der Geburtenrate in Europa angeführt. Mit dieser Zielsetzung verschafft sich Euro Pro Life auch Sympathien in der rechts­extremen Szene.

In der Öffentlichkeit gelten die »Lebensschützer« als fundamentalistisch, das Bistum Münster stellt Euro Pro Life mittlerweile kein Kirchenhaus mehr zur Verfügung. Zum »Gebetszug« fanden sich 150 Menschen ein, nicht alle kamen aus Münster, der Veranstalter Hering reiste eigens aus München an. Selbst im katholischen Münster fehlt also die breite Unterstützung. An der Gegendemonstration nahmen etwa genauso viele Leute teil, die meisten kamen aus der linken Szene. Anders als etwa bei Demonstrationen gegen Nazi-Aufmärsche gab es keinen vehementen bürgerlichen Protest gegen den Marsch der Fundamentalisten.

Vor zwei Jahren nahm die Staatsanwaltschaft in Münster die Gegendemonstration zum Anlass, um gegen 120 Personen ein Strafverfahren einzuleiten. Neu an diesem Vorgehen war vor allem der Rückgriff auf Paragraf 21 des Versammlungsgesetzes. Demnach ist die »grobe Störung« einer nicht verbotenen Versammlung, verbunden mit der Absicht, sie »zu verhindern oder zu sprengen«, strafbar. Bisher wurde der Straftatbestand der Versammlungssprengung aber nur äußerst selten festgestellt – entsprechend gibt es kaum Urteile, in denen der vage Begriff der »groben Störung« genauer bestimmt wurde. Das friedliche Blockieren beispielsweise von Nazi-Aufmärschen zieht für gewöhnlich nur Verfahren wegen Ordnungswidrigkeiten nach sich. »Das Ganze ist völlig unverhältnismäßig«, sagt Rechtsanwalt Sebastian Nickel, einer der beteiligten Anwälte, »für den Aufzug bestand jederzeit die Möglichkeit, einen anderen Weg zu nehmen.«

Zudem ist die Beweislage dünn. Die Verfahren kommen schleppend voran, regelmäßig wurden die Hauptverhandlungen vertagt, weil die Beweismittel nicht vorlagen. Manchmal waren die als Zeugen geladenen Polizeibeamten nicht anwesend, manchmal die polizeilichen Videos nicht vorhanden. »Manche Verfahren sind noch nicht einmal in der ersten Instanz verhandelt worden, manche hängen beim Berufungsgericht«, berichtet Nickel. Erst im Februar bewegte sich etwas. Das Oberlandesgericht Hamm hob in einer Revision ein Urteil auf. »Das war eine schallende Ohrfeige, was die rechtliche Würdigung angeht«, sagt der Anwalt. Das Revisionsgericht habe sich der Auffassung angeschlossen, dass bei einer Umgehungsmöglichkeit keine Versammlungssprengung vorliege. Nun muss das Amtsgericht neu verhandeln.

Im vergangenen Jahr begleitete die Gegendemonstration den »1 000-Kreuze-Marsch« auf der gesamten Strecke, ohne dass es zu größeren Auseinandersetzungen mit der Polizei kam. Auf der Demonstration am Samstag griff die Polizei jedoch wieder härter durch. Ein Teil der Protestierenden wurde zwischenzeitlich in Gewahrsam genommen, von 105 Personen wurden die Personalien festgestellt. Der Aufzug der »Lebensschützer« begann mit einiger Verspätung und wurde durch Nebenstraßen umgeleitet. Nach Polizeiangaben haben die Demonstranten Strafverfahren wegen Verstößen gegen das Versammlungsgesetz zu erwarten. Wird nun erneut wegen »Versammlungssprengung« ermittelt? Nickel gibt sich optimistisch: »Ich glaube nicht, dass die Behörden sich so etwas noch einmal antun, obwohl die Verfahren von 2009 noch gar nicht aufgearbeitet sind. Und mit der Entscheidung des Oberlandesgerichts dürfte nun auch Vernunft einkehren.«

Es sei denn, es gibt für Euro Pro Life Beistand von ganz oben. So sagte Wolfgang Hering auf der Abschlusskundgebung, derzeit würden auch in München diverse Verfahren im Zusammenhang mit Protesten geführt. Er ermahnte die Teilnehmenden: »Beten Sie auch für diese Verfahren! Die Polizei versucht das kundig aufzuarbeiten.«

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MZ vom 12.03.2011

1000-Kreuze-Marsch: Euro Pro Life kann Gebetszug erst spät antreten
Von Jessica Bader

MÜNSTER Betend wollte die Organisation Euro Pro Life durch die Innenstadt zum Domplatz ziehen und gegen Abtreibung demonstrieren. Rund 150 Teilnehmer waren nach Polizeischätzung an den Aegidiikirchplatz gekommen. Weil sich aber ebenso viele Gegner der Kundgebung versammelten, konnte der 1000-Kreuze-Marsch zunächst nicht wie geplant zum Domplatz ziehen.

Mit Trillerpfeifen und Transparenten hatten sich die Gegner des 1000-Kreuze-Marsches an der Aegidiistraße und am Aegidiikirchplatz versammelt. Mit lautstarken Sprechchören versuchten sie, die Gesänge des Gebetszugs „1000 Kreuze für das Leben“ zu übertönen.

Polizei trennt Gruppen

Dutzende Einsatzkräfte der Polizei trennten die beiden Gruppen von einander. Durch die Blockade des angemeldeten Gebetszugs, konnten die Abtreibungsgegner zunächst nicht wie geplant mit weißen Kreuzen durch die Innenstadt bis zum Domplatz laufen. Auch der Versuch, eine andere Route zu nehmen, scheiterte. Erst nach 16 Uhr zogen die Abtreibungsgegner auf der vorgesehenen Route bis zum Domplatz.

Gegner müssen mit Strafverfahren rechnen

Die Gegener des Gebetszugs müssen nun mit einem Strafverfahren wegen Vereitelung einer Versammlung rechnen. Das teilte die Polizei mit. Dazu haben die Beamten die Personalien von zunächst über 80 Gegendemonstranten festgestellt.

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WN vom 12.03.2011

Linke stoppen weiße Kreuze
Demonstrationen für den Lebensschutz in Münsters Innenstadt

VON MARIAN SCHÄFER

Münster – Das letzte Holz-Kreuz war noch nicht verteilt, da dröhnten auch schon die Trillerpfeifen, reckten die Gegendemonstranten ihre Transparente in die Luft: Am Samstag standen sich nach Polizeiangaben 150 Abtreibungsgegner von „Euro Pro Life“ und ebenso viele Aktivisten gegenüber, die dem Aufruf der „Antifaschistischen Linken“ zu einer Gegendemonstration gefolgt waren.

Der sogenannte 1000-Kreuze-Marsch, den „Euro Pro Life“ angemeldet hatte und der eigentlich von der Aegidii-Kirche durch die Innenstadt zum Domplatz führen sollte, wurde so verhindert. Der Gebetszug startete und endete schließlich auf dem Aegidii-Kirchplatz. Eine Hundertschaft der Polizei sorgte dafür, dass beide Gruppen getrennt und Auseinandersetzungen weitgehend ausblieben.

Von 105 Gegendemonstranten stellte die Polizei die jeweiligen Personalien fest. Auf diese Personen wartet nun ein Strafverfahren wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz. Drei Demonstranten griffen die Beamten an, in einem Fall mussten die Einsatzkräfte Pfefferspray einsetzen, heißt es in einer Mitteilung.

„Euro Pro Life“ versteht sich als überkonfessionelle christliche Bewegung für den Lebensschutz. „Wir trauern um die ungeborenen Kinder“, erklärte Wolfgang Hehring, der Vorsitzende von „Euro Pro Life“, den Hintergrund des 1000-Kreuze-Marsches. An einem Werktag würden in Deutschland 1000 Kinder abgetrieben, sagte Hehring, die Opfer von Verhütungsmitteln nicht eingerechnet.

Die so genannte „Antifaschistische Linke“ wirft „Euro Pro Life“ nicht nur vor, mit falschen Zahlen zu operieren, sondern ist der Meinung, dass Frauen das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben abgesprochen würde, sollten Abtreibung und Verhütung verboten werden. Das statistische Bundesamt weist für 2009 eine Zahl von 110694 Schwangerschaftsabbrüchen aus. „Euro Pro Life“ argumentiert, dass nur etwa 60 Prozent gemeldet würden.

Distanziert zeigten sich die meisten Schaulustigen, die das Treiben beobachteten. „Man darf für und gegen Abtreibung sein“, sagte ein Beobachter, „aber man muss vernünftig diskutieren“.

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Münstersche Zeitung vom 10.02.2011

1000 Kreuze und zwei Demonstrationen

Am 12. März geht es erneut um Abtreibung

MÜNSTER. Mit einer doppelten Demonstration dürfen die Münsteraner (12. März) rechnen. Zum einen hat die Organisation „ Euro pro life“ erneut zum „Gebetszug 1000 Kreuze für das Leben“ aufgerufen, mit dem zum sechsten Mal in Münster für den Schutz des ungeborenen Lebens geworben werden soll. Gegner dieser Organisation haben erneut zu einer Gegendemonstration aufgerufen.

Bereits in den vergangenen Jahren hatte der 1000-Kreuze-Zug mehrfach zu Auseinandersetzungen geführt. Vor allem die Demonstration im März 2009 hatte für juristische Nachwehen gesorgt. Seinerzeit hatte eine 120-köpfige Gruppe den Protestzug von 150 Abtreibungsgegnern gestoppt. Die Polizei leitete gegen 106 von ihnen Strafverfahren ein. Die Gegendemonstranten werfen „Euro pro Life“ vor, nicht nur gegen Schwangerschaftsabbrüche, sondern auch gegen Verhütung und Homosexualität zu sein. Zudem duldeten sie Neonazis. Letzteres wies Georg Fleischmann von „Euro pro life“ gegenüber der MZ zurück: „Natürlich sind uns Neonazis unerwünscht – aber wenn die in unserem Gebetszug mitlaufen, können wir wenig dagegen tun – wie sollen wir sie denn erkennen?“ eul

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2010

Münstersche Zeitung am 27.12.2010

Gegendemonstranten siegen vor Gericht

Caterina Metje

MÜNSTER Als im März Abtreibungsgegner eine „1000-Kreuze-Marsch“ genannte Demonstration veranstalteten, war das einigen Münsteranern zu radikal: Die Demonstration richte sich gegen das Selbstbestimmungsrecht der Frauen, der Vergleich abgetriebener Kinder mit ermordeten Juden verharmlose den Holocaust, so die Argumentation.

Für mehr als 100 Gegendemonstranten hatte der Protest, den sie kurzerhand veranstalteten, ein juristisches Nachspiel: Sie erhielten Anzeigen wegen „gemeinschaftlicher Versammlungssprengung“ oder „Beihilfe“ – viele Beschuldigte wurden bereits zu Geldstrafen im dreistelligen Bereich verurteilt; einige Verfahren sind noch anhängig.

Einer der Verurteilten fochten das Urteil vor dem Oberlandesgericht (OLG) Hamm an – mit Erfolg: Wie erst jetzt bekannt wurde, hat das OLG das Urteil gegen die Demonstranten im November aufgehoben und die Strafsache an das Amtsgericht Münster zurückverwiesen. In seiner Begründung schreibt das OLG, das Urteil des Amtsgerichts zähle zwar Beweismittel wie Videos oder Zeugenaufsagen auf, gebe deren Inhalt jedoch nicht nachprüfbar wieder.

Angaben reichen nicht aus

Schwerwiegender: Die Angaben zur Tat würden für eine Verurteilung nicht ausreichen. Eine „grobe Störung“ der Demo der Abtreibungsgegner hätte dann vorgelegen, wenn die Gegendemonstranten unüberwindliche Sperren oder Blockaden von nicht unerheblicher Dauer errichtet hätten. Das aber sieht das OLG nicht als erwiesen an.

„Das war auch meine Argumentation“, sagt Rechtsanwalt Wilhelm Achelpöhler, der einige der Beschuldigten vor Gericht vertritt. „Die Gegendemonstranten standen da herum. Die Kreuzler sind daran vorbeigezogen. Eine Blockade hat es eigentlich gar nicht gegeben.“
Achelpöhler erinnert daran, dass es bei den Demonstrationen von Neonazis rund um den Hauptbahnhof sowie in Hiltrup in den Jahren 2005 und 2006 auch Gegendemos gegeben habe: „Damals ist auch nichts verfolgt worden. Hier dagegen scheinen sie ein Exempel statuieren zu wollen – dabei waren die Gegendemonstranten völlig friedlich.“

„Alle werden profitieren“

Achelpöhler geht davon aus, dass jetzt noch mehr Verurteilte Revision einlegen werden und dass sich das Urteil aus Hamm auch auf die noch anhängigen Verfahren auswirken wird: „Davon werden alle profitieren“, sagte der Jurist, „das scheint mir auch ein Zurückpfeifen der Staatsanwaltschaft Münster zu sein.“

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MZ vom 18.03.2010

Polizei verärgert über die Justiz

Mit Unmut hat ein Einsatzleiter der Polizei am Donnerstag auf die Prozess-Führung einer Amtsrichterin reagiert. Der Beamte war zum wiederholten Male als Zeuge geladen worden, um über die angebliche Blockade des so genannten 1000-Kreuze-Marsches vom 14. März 2009 zu berichten.

Auf der Anklagebank hatte eine Gegendemonstrantin Platz genommen, die von der Polizei damals gemeinsam mit über hundert anderen Personen vor der Ägidiikirche eingekesselt und zur Personalienfeststellung festgehalten worden war. Aber gingen von ihr wirklich Widerstandshandlung aus?

Die Polizei hatte am Demonstrationstag Videos angefertigt, doch die lagen der Richterin nicht einmal vor. Dazu sagte der Einsatzleiter: „Wir haben extra Einzelauswertungen gemacht. Das dauert einen Tag. Aber das will kein Schwein sehen.“ Zumindest auf Seiten der Staatsanwaltschaft machte das Eindruck. Jetzt soll das Video doch angefordert und angesehen werden. Der Prozess wurde vertagt.

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Westfälische Nachrichten am 14.03.2010

1000 Kreuze für das Leben: Empfang mit lauten Pfiffen

Jennifer von Glahn

Münster – Die Fetzen flogen dennoch, wenn auch nur in Form von Papierstreifen und Konfetti. Beinahe unbemerkt hatten sich geschätzte 120 Teilnehmer der Gegendemonstration zum „Gebetszug – 1000 Kreuze für das Leben“ unter die Abtreibungsgegner gemischt und machten ihre Meinung deutlich: mit buntem Wurfmaterial und Pfiffen. Erst am Startpunkt des Gebetszuges, am Aegidiikirchplatz, gelang es der Polizei, die beiden Gruppen wieder voneinander zu trennen. In Ruhe konnte Wolfgang Hering, Organisator der Aktion „1000 Kreuze für das Leben“ und Präsident von „EuroProLife“, seine Kundgebung durchführen. „Wir wollen das ungeborene Leben schützen“, so Hering. Man dürfe das hunderttausendfache Töten von ungeborenem Leben in unserer Gesellschaft nicht akzeptieren.

Diese Meinung stößt nicht überall auf Zustimmung. „Das fundamentale Gedankengut finden wir gefährlich. Wir wollen mit unserer Demonstration ein deutliches Gegengewicht setzen“, berichtete Florian Kirschbaum. Der Student war einer von rund 250 Teilnehmern, die sich bereits mittags auf dem Prinzipalmarkt mit Plakaten, Rasseln und Tröten eingefunden hatten.

Die etwa 100 Teilnehmer des Gebetszuges versammelten sich am Nachmittag auf dem Aegidiikirchplatz, um von dort aus mit weißen Kreuzen ausgestattet quer durch die Stadt zu ziehen. „1000 Ungeborene jeden Tag“, so die Aufschrift des übergroßen Banners, das die Teilnehmer der Gebetsprozession mit sich führten. Dreimal im Jahr ruft die Organisation EuroProLife, die sich als Europäische Stimme der ungeborenen Kinder deklariert, in verschiedenen Städten zu dem Gebetszug auf. „Abtreibung ist Mord. Ich bete täglich für die ungeborenen Kinder“, bekannte sich Albine Spiekermann deutlich zu den Aussagen der Gruppierung.

Für das Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper plädierten die Teilnehmer der Gegendemo, die immer wieder ins Laufen verfielen, um den Gebetszug zu überholen und mit Lautstärke zu empfangen. Beide Demos verliefen friedlich.

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Münsterische Zeitung am 14.03.2010

Demonstranten treffen friedlich aufeinander

Volker Petersen

MÜNSTER Er war mit Spannung erwartet worden: der „Marsch der 1000 Kreuze“, der am Samstag durch die Inennstadt zog. Etwa 100 Abtreibungsgegner trugen weiße Holzkreuze durch die Straßen, um gegen Abtreibung in jeglicher Form zu demonstrieren.

Eine Gegendemonstration brachte etwa 250 Menschen auf die Straße. Sie versuchten die Demonstration der erzkonservativen Christen zu behindern und mit Sprechchören und Trillerpfeifen zu stören.

Den Anti-Abtreibungsmarsch organisiert hatte die Organisation „EuroProLife“. Deren Präsident verglich in einer Ansprache vor der Aegidiikirche die heutige Abtreibungspraxis mit dem Euthanasieprogramm der Nazis im Dritten Reich.

Bunt gemischte Demonstration

Die Gegendemonstration geht auf das „Bündnis gegen 1000 Kreuze Münster“ zurück. Daran beteiligten sich verschiedene, teils sehr unterschiedliche linke Gruppen. So nahmen Parteimitglieder der Grünen teil, ebenso wie die „Anarcho-syndikalistische Jungend“.

Ein erstes Fazit: Die Demonstration lief friedlich ab. Im Gegensatz zum Vorjahr haben dieses Mal die Demonstrationsgegner auch nicht versucht, den „Marsch der 1000 Kreuze“ zu stören oder zu behindern.

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Echo Münster am 13.03.2010

Abtreibungsgegner und Gegendemonstranten gehen gewaltfrei durch die City

Lutz Hackmann

Ohne besondere Vorkommnisse, so könnte man sagen, ist am Samstagnachmittag der Gebetszug von knapp 100 Abtreibungsgegnern durch die münsterische Innenstadt über die Bühne gegangen. Zwischen den Teilnehmern des von der Organisation EuroProLife unter dem Titel „1000 Kreuze für das Leben“ initiierten Marsches und mehr als doppelt sovielen Gegendemonstranten – zumeist aus dem Lager des „Bündnis gegen 1000 Kreuze“ – kam es lediglich zu verbalen Rempeleien. Vor genau einem Jahr hatten die Selbstbestimmungs-Befürworter mit Blockaden für eine erhebliche Behinderung des Marsches der erzkonservativen Bewegung gesorgt.

Keine Blockaden

Von Blockaden war diesmal nicht viel zu sehen. Die Abtreibungsgegner, die sich auch gegen Homosexualität und Verhütung aussprechen, marschierten fast einträchtig mit ihren Gesinnungsgegnern vom Sammelplatz Domplatz zum Ägidii-Kirchplatz. In diesem Flaschenhals machten die Einsatzkräfte der Polizei, die auf offene Präsenz setzte, dann dicht, separierten Anti-Kreuzler und Kreuzler. Letztere konnten so ihre Kundgebung ungestört abhalten, bevor sie sich – erneut begleitet von der deutlich größeren Gruppe der Gegendemonstranten – zu ihrem geplanten Marsch durch die Innenstadt aufmachten.

Unmutsbekundungen

Während des Zugs durch die City gab es immer wieder lautstarke Unmutsbekundungen aus den Reihen der Gegendemonstranten. Diese operierten in Gruppen und stellten sich so wiederholt den christlichen Fundamentalisten entgegen.

Bei der vierten Auflage des Marsches „1000 Kreuze für das Leben“, der gegen 18.30 Uhr nach insgesamt unauffälligem Verlauf endete, kam es nach Aussage von Polizeisprecher Klaus Laackman zu keinen Übergriffen oder Handgreiflichkeiten auf beiden Seiten.

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Polizei Münster am 13.03.2010

POL-MS: Friedlicher und rennender Ablauf von zwei Demonstrationen

Münster (ots) – Eine Demonstration von etwa 100 Teilnehmern unter dem Motto „Gebetszug – 1000 Kreuze für das Leben“ mit Begleitung von etwa 250 Teilnehmern einer Gegendemonstration fand heute (13. März) ab etwa 15:30 Uhr in Münster statt. Die ersten Teilnehmer des Gebetszuges hatten sich auf dem Domplatz versammelt, während etliche kleinere Gruppen von Gegendemonstranten sich über das Stadtgebiet zunächst verteilten. Als der Gebetszug zu dem eigentlichen Start an der Aegidiikirche zog, mischten sich etwa 120 Gegendemonstranten unter diese Gruppe und äußerten lauthals ihren Unmut. Auf dem Aegidiikirchplatz konnte dann ungestört die Auftaktkundgebung der „1000 Kreuze für das Leben“ stattfinden, da die Polizei die Gegendemonstranten auf Abstand hielt. Anschließend begann der Demonstrationszug durch die Innenstadt. „Unser Konzept war offene Präsenz. Unser Ziel war, einerseits dem Gebetszug den Gang durch die Stadt zu ermöglichen aber andererseits auch der anderen Seite ihre Meinung äußern lassen zu können,“ so Arnt Wenger, der Gesamteinsatzleiter. Durch häufige Laufaktionen versuchten die Gegendemonstranten immer wieder den Gebetszug von vorne oder von der Seite lauthals zu empfangen. So gingen die Teilnehmer des Gebetszuges friedlich ihren Weg und die Gegendemonstranten gingen und rannten friedlich immer wieder zu neuen Plätzen. „Insgesamt ist der gesamte Ablauf als friedlich zu bezeichnen, was sicherlich auch dem besonnenen Einsatz unserer Polizeikräfte zu verdanken ist,“ so Erster Polizeihauptkommissar Arnt Wenger resümierend. Es waren keine besonderen Vorkommnisse aus polizeilicher Sicht zu verzeichnen.

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Münsterische Zeitung am 12.03.2010

Lamberti und Bistum stellen Abtreibungsgegnern keine Kirche zur Verfügung

Jörg Gierse

MÜNSTER Beim fünften 1000-Kreuze-Marsch am Samstag in Münster können die Teilnehmer erstmals zum Auftakt keinen Gottesdienst feiern. Grund: Die christlich-fundamentalistische Organisation „Euro Pro Life“, die die Demonstration gegen Abtreibung veranstaltet, bekommt dafür keine Kirche zur Verfügung gestellt.

Das bestätigte der Pressesprecher des Bistums Münster, Karl Hagemann, auf Anfrage unserer Redaktion. In den vergangenen zwei Jahren hatten die Teilnehmer des so genannten „Gebetszugs für das Leben“ vorab eine Messe in der St.-Aegidii-Kirche gefeiert. Diesmal, sagte Hagemann, habe der Pfarrer von St. Lamberti, Dr. Ludger Winner, der das Hausrecht für die Filialkirche St. Aegidii ausübe, die Anfrage abgelehnt – in Absprache mit der Bistumsleitung.

Grund dafür seien auch die „unschönen Szenen“ im vergangenen März, als die Polizei Abtreibungsgegner und linke Gegendemonstranten trennen musste. Hagemann: „Wir glauben, dass es bessere und zielführendere Möglichkeiten gibt, ungeborenes Leben zu schützen.“ Die katholische Amtskirche steht der Vereinigung „Euro Pro Life“ skeptisch gegenüber. Inoffiziell spricht man dort von einer „Kampftruppe“ am äußersten Rand der Kirche.

Bei den ersten Demos war die Messe noch im Dom

Der „Euro Pro Life“-Vorsitzende Wolfgang Hering erklärte, die Absage erfülle ihn „mit Trauer und Schmerz“. An das Bistum richtete er die Frage, ob Kardinal von Galen ihm wohl eine ähnliche Absage erteilt hätte. Bei den ersten Demos in Münster 2006 und 2007 hatte Herings Gruppe ihre Auftaktmessen sogar im Dom feiern dürfen.

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Münsterische Zeitung am 12.03.2010

Treffen wieder Abtreibungsgegner auf Autonome?

Jörg Gierse

MÜNSTER 250 fundamentalistische Christen auf der einen, 50 linksautonome Gegendemonstranten auf der anderen Seite: Das sind die Zahlen, auf die sich die Polizei einstellt, wenn am Samstag der so genannte 1000-Kreuze-Marsch durch die Innenstadt zieht. Ob es mehr oder weniger Teilnehmer werden, ob die beiden Gruppen aufeinandertreffen, und ob diese Begegnung friedlich verläuft – das ist unsicher.

Als der „Gebetszug für das Leben“, veranstaltet von christlichen Abtreibungsgegnern, im vergangenen März durch Münster zog, hatte die Polizei alle Hände voll zu tun. 120 Protestler, meist aus der linken Szene, stellten sich den 150 Teilnehmern in den Weg, versperrten für anderthalb Stunden die Aegidiistraße. Schließlich lösten mehrere Hundertschaften die Blockade auf, gegen einige der Beteiligten laufen derzeit die Gerichtsverfahren.

Diesmal sind die Abtreibungsbefürworter, deren Aktionen damals nicht genehmigt waren, besser vorbereitet. Die grüne Jugendorganisation Kaktus hat die Gegendemo angemeldet, ihr Sprecher Philipp Matern sagt, man habe sich mit anderen „engagierten Bürgern“ zu einem „Bündnis gegen christlichen Fundamentalismus“ zusammengetan. „Wir planen keinerlei illegale Aktionen“, versichert er. Um 14 Uhr beginne eine Kundgebung auf dem Prinzipalmarkt, ansonsten habe man sich „viel kreativen Protest“ einfallen lassen: „Alles andere wird sich ergeben“, so Matern.

Kreuze sollen an 1000 abgetriebene Kinder täglich erinnern

„Diese jungen Menschen tun mir aufrichtig Leid“, sagt Wolfgang Hering, Präsident der Vereinigung „Euro Pro Life“, die hinter dem 1000-Kreuze-Marsch steht. Der heißt so, weil die Teilnehmer weiße Holzkreuze mit sich tragen – sie sollen an die angeblich 1000 ungeborenen Kinder erinnern, die jeden Tag abgetrieben werden. Der Zug startet um 15.30 Uhr am Aegidiikirchplatz und zieht über Königs- und Ludgeristraße, Servatiiplatz, Salzstraße, Roggenmarkt und Spiekerhof zum Dom.

Die Polizei gibt sich betont unaufgeregt. Man führe Gespräche mit beiden Seiten, „um mögliche Konfrontationen im Vorhinein auszuschließen“, so Sprecher Klaus Laackman. Erster Erfolg: Die Strecke des „Kreuzzugs“, die zuerst ebenfalls über den Prinzipalmarkt führte, wurde geändert. „Gewisse Störungen“ seien zwar weiter nicht auszuschließen, sagt Laackman, „nach jetzigem Stand erwarten wir aber keine Probleme, die wir nicht bewältigen könnten.

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2009

Münsterische Zeitung am 14.03.2009

Abtreibungsprotest: Demonstrationen prallen aufeinander – Polizei greift ein

Tobias Großekemper

MÜNSTER In Münster standen sich am Samstagnachmittag Abtreibungsgegner und Gegendemonstranten gegenüber und blockierten so die Aegidiistraße in Höhe des Landesmuseums.

Die Polizei griff schließlich ein und räumte einen Teil der Straße, um der angemeldeten Demonstration der Abtreibungsgegner den Durchmarsch zu ermöglichen. Dabei kam es zu kleineren Rangeleien.

Blockade auf der Aegidiistraße

Über eine Stunde ging auf der Aegidiistraße nichts mehr, rund 150 Abtreibungsgegner standen ungefähr 120 Gegendemonstranten gegenüber. Die Abtreibungsgegner, die ihre Demonstration angemeldet hatten, waren einem Aufruf der Organisation „Euro pro Life“ gefolgt. Mit stilisierten 1000 weißen Kreuzen wollten sie einen „Gebetszug für das ungeborene Leben“ veranstalten.
Ihnen gegenüber stand laut Polizei ein Bündniss verschiedener Gruppierungen, die ihre Gegendemonstration nicht angemeldet hatte. Nach etwas über einer Stunde räumte die Polizei einen Teil der Blockade, um so den Abtreibungsgegnern Platz zu verschaffen. Zuvor waren die Gegendemonstranten drei Mal per Lautsprecher aufgefordert worden, die Straße zu räumen.

120 Demonstranten festgehalten

Die Abtreibungsgegner setzen ihren Weg in Richtung Landesmuseum fort,  gingen am Domplatz vorbei in Richtung Lambertikirche, um von dort zur Überwasserkirche zu kommen. Dort warfen sie einhundert Rosen in die Aa. Am Denkmal von Kardinal Galen veranstalteten sie ein Abschlussgebet. Die 120 Gegendemonstranten wurden an der Aegidiistarße festgehalten, ihre Personalien wurden aufgenommen und sie erwartet ein Ordnungswidrigkeitsverfahren.  

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Echo Münster am 14.03.2009

Unter Polizeischutz: Kreuzzug gegen Abtreibung – Gegendemo

Zwei Welten prallten heute Nachmittag (Samstag) in der Stadt aufeinander. Um 15.30 Uhr wollte sich an der Überwasser-Kirche die angemeldete Gebetsprozession „1000 Kreuze für das Leben“ mit 150 durchaus umstrittenen, erzkonservativen Abtreibungsgegnern mit ihren schneeweißen Kreuzen und dem Mutter-Gottes-Bild in Bewegung setzen.
Das gelang ihr nur mit erheblicher Verzögerung und unter dem Schutz der Polizei. Der Kreuzzug für das ungeborene Leben, angemeldet von der Organisation Euro-Pro-Life, nämlich wurde durch mehr als 100 Gegendemonstranten erheblich gestört. Zur nicht angemeldeten Gegendemo hatte das Antisexistische Bündnis München aufgerufen, das in Münster vom Frauenreferat des Asta unterstützt wurde.

Dreifache Blockade

Trotz mehrmaliger Megaphon-Aufforderung der Polizei, den Weg frei zu machen, stellten sich die zumeist jungen Leute der „Emanzipatorischen Aktion Münster“ ihnen hartnäckig in den Weg. Als dann der Anführer des Trauermarsches gegen Abtreibung umzingelt wurde, griffen die Uniformierten durch. Erst nach Androhung von Zwangsmaßnahmen ließen die Anti-Demonstranten ihn ziehen. Noch zwei Mal wurde der Zug auf seinem Weg quer durch die Stadt zur Abschlusskundgebung auf dem Horsteberg gestört. Das Aegidii-Parkhaus konnte für längere Zeit nicht genutzt werden.

„Eure Kinder werden so wie wir“

Gebete und fromme Gesänge auf der einen Seite – Pfeifkonzerte und skandierende  Forderungen nach dem Recht der Frau auf  eine selbstbestimmte Entscheidung  auf der anderen. Und die ultimative Drohung der jungen Protestierer: „Eure Kinder werden so wie wir.“ Die Situation drohte zwischenzeitlich zu eskalieren.

129 Personalien notiert

Die Polizei griff durch, hatte einen wachsamen Blick auf die Blockierer und separierte etwa 129 Demonstranten solange, bis sich der Kreuzzug am Horsteberg mit zweistündiger Verspätung gegen 19 Uhr aufgelöst hatte. Ihre Personalien wurden notiert, da sie zum Teil Ordnungswidrigkeiten und Straftaten nach dem Versammlungsgesetz begangen hatten. Will sagen: Einige hatten ihre Gesichter verhüllt und so gegen das Vermummungsverbot verstoßen.

Lage drohte zu kippen

„Unsere Aufgabe ist es, das Recht auf Demonstration durchzusetzen“, sagte Münsters Polizeisprecher Klaus Laackman zum massiven Einsatz der Ordnungsmacht. Nein, er habe keine Information, dass sich Protestierer aus dem rechten Spektrum an der Prozession beteiligt haben.
Die Einsatzkräfte, sie kamen nicht nur aus Münster. Weil die Situation zu kippen drohte, rückten Kollegen aus Düsseldorf und Bochum nach.  „Wir haben die Gegner drei Mal aufgefordert, ihre Blockade aufzugeben“, sagte Laackman, dann war Schluss und die Polizei begann, die Störer abzudrängen.  
Auf dem Horsteberg dann wurden noch einmal  26 Gegendemonstranten zur Seite geschoben und von der Polizei in Schach gehalten, derweil die Abtreibungsgegner an ihnen vorbei zogen.

Weihbischof Overbeck:  „Das geht gar nicht“

Just in dem Moment kam Weihbischof  Franz-Josef Overbeck des Wegs.  „Nein, nein. Das ist keine Veranstaltung des Bistums Münster“, distanzierte er sich spontan von der Prozession, „die kennen wir schon lange. Gewiss, wir unterstützen alles, was dem Leben dient, wenn Menschen für das Leben beten. Aber alles, was extrem ist, ist nicht gut“, gab er sich diplomatisch. Eindeutig dagegen seine Position zu den Abtreibungsbefürwortern. „Das geht gar nicht“, zeigte er auf die Schilder in der Gruppe, die von der Polizei abgeschirmt wurde.  „Kein Gott, kein Staat, kein Vaterland  – Abtreibung in Frauenhand“ stand da geschrieben. Oder Anti-Papst-Parolen. Diese Form, sich mit dem Thema auseinander zu setzen, kann der Geistliche nicht gutheißen.

„Die Jungs haben genug getan“

Am Ende können die „Lebensschützer“, die zum Teil aus Holland und England nach Münster gekommen waren, erst nach zwei Stunden ihre Bekenntnisse bei der Schluss-Kundgebung am Kardinal-von-Galen-Denkmal ablegen. Als dann ein Teilnehmer mit der Sammelbüchse herum ging und auf die Polizisten zusteuert, hielt ihn ein Gleichgesinnter zurück. „Nein, die nicht. Die Jungs haben heute schon genug getan.“ 

Bruni Frobusch

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Polizei Münster am 14.03.2009 | 20:06 Uhr

POL-MS: Polizei setzt 129 Demonstranten fest

Münster (ots) – Die Polizei Münster musste heute (14. März) ab etwa 16:00 Uhr insgesamt 129 Demonstranten festsetzen, um das Demonstrationsrecht einer anderer Gruppe durchzusetzen. Eine Gruppe von etwa 150 Abtreibungsgegnern hatte sich in Höhe des Aegidiikirchplatzes versammelt und wollte mit ihrem bei der Polizei ordnungsgemäß angemeldeten Demonstrationszug durch Münster ziehen. Direkt als sie die Aegidiistraße erreicht hatten, blockierten über 100 ´Gegendemonstranten die Straße. Trotz mehrmaliger Aufforderung den Weg frei zu machen, blieben sie stehen und hinderten die Abtreibungsgegner, weiter zu gehen. Der Versammlungsleiter der Abtreibungsgegner wurde eingezingelt und erst nach Androhung von Zwangsmassnahmen wieder frei gelassen. Nach Alarmierung von Unterstützungskräften wurden die dann dort stehenden 103 Gegendemonstranten zur Seite gedrängt und solange festgesetzt, wie die angemeldete Demonstration dauerte. Darüber hinaus wurden auch von ihnen die Personalien festgestellt, da sie zum Teil Ordnungswidrigkeiten und Straftaten nach dem Versammlungsgesetz begangen hatten- Im weiteren Verlauf der Demonstration der Abtreibungsgegner wurde der Zug noch zwei Mal kurz blockiert. Am Horsteberg mussten noch einmal 26 Personen zur Seite gedrängt und festgesetzt werden. Personen wurden nach jetzigen Erkenntnissen nicht verletzt.

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Evangelikaler Kreuzzug gegen die Pressefreiheit

von Christoph Lammers

in: MIZ – Materialien und Informationen zur Zeit, Heft 01/2009

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Zurück ins Mittelalter

In den USA drehen Evangelikale die Uhr zurück – das deutsche Pendant ist konservativ und überkonfessionell
von Petra Daheim

in: MIZ – Materialien und Informationen zur Zeit, Heft 02/2008